3.
Rechtsphilosophie
3.1.
Van der Eycken, Paul, Méthode positive de l'interprétation juridique
(Rumpf = Friesoythe in Oldenburg)
I.
Rechtsphilosophie.
Van der Eycken, Paul, Methode positive de l’interpretation juri-
dique, 1907, 434 S.
Gemeinhin wird als charakteristisches Kennzeichen deutschen
Wesens und besonders deutscher wissenschaftlicher Arbeit die
Gründlichkeit hervorgehoben. Wer aber die bekannteren neueren
Schriften französischer und deutscher Juristen über juristische
Methodenlehre vergleicht, der wird geneigt sein, wenigstens auf
diesem Gebiete der wissenschaftlichen Arbeit der französisch
redenden Literatur, was die Gründlichkeit angeht, die Palme
zu reichen. In Deutschland werden Fragen der Methodik und
der Rechtsanwendung in den letzten Jahren sehr rege, aber
fast immer auf recht knappem Raume, nicht selten in Formen,
die von vornherein den Verzicht auf erschöpfende Darstellung
einschließen, in Vorträgen, in Rektoratsreden oder in kurzen
Zeitschriftenartikeln behandelt. Ganz anders in der französisch
redenden Jurisprudenz. Nachdem uns G e n y vor einigen Jahren
sein treffliches großes Werk über die Methode der Auslegung
geschenkt hat, legt nunmehr ein jüngerer belgischer Schriftsteller
ein recht umfangreiches Werk über denselben Gegenstand vor.
Die Fragen der Methodik sind international. Dies und
das allgemeine rege Interesse für die Theorie der Rechtsanwen-
dung wird eine etwas ausführlichere Besprechung rechtfertigen.
Skizzieren wir zunächst die methodischen Grundanschauungen
des Vers.
Krit. Vierteljahresschrift.
1