Bäuerliche Leibeigenschaft im Osten.
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mietet seine Leute; er übergiebt sie im Falle der Widerspenstigkeit ¬
ohne Gericht dem Staat zur Verbringung nach Sibirien.
Im Vergleich zu Rußland sind unsere deutschen Adelsrepubliken ¬
an der Ostseeküste doch sehr farblos; der deutsche
Junker lebt nicht, wie der russische Adlige, von seinen Leuten,
sondern er lebt von seinem landwirtschaftlichen Betrieb und hat
seine Leute nur soweit geknechtet, als es für den landwirtschaftlichen ¬
Betrieb nötig ist; Hofleute und Obrokleute kommen bei
uns nicht vor. Wenn unsere Junker hie und da einen Unterthan ¬
ohne Land verkaufen, so ist es eine Ausnahme: wir haben
da nicht die russische Leibeigenschaft, sondern es wird nur nach
jener Richtung ein Probepfeil abgesendet.
Wie aber stand es in der preußischen Monarchie? Nur die
östlichen Provinzen, die in der Nachbarschaft jener Adelsrepubliken
liegen, wollen wir in Betracht ziehen. Wie stand es da mit der
Leibeigenschaft? Jedermann hat schon gehört oder gelesen, daß
die preußischen Könige des 18. Jahrhunderts die Leibeigenschaft
abgeschafft haben. Friedrich I. hat es wenigstens gewollt, er
hat sich ernstlich mit der Frage beschäftigt. Friedrich Wilhelm I.
hat mehr gethan, er hat wirklich die Hand angelegt und hat
für seine Domanialbauern ernstliche Versuche eingeleitet, von
denen man hört, daß sie stellenweise geglückt sind. Dann erscheint ¬
Friedrich der Große, und von ihm ist zu lesen, daß er
die bäuerliche Leibeigenschaft wirklich beseitigt habe. Von Friedrich ¬
Wilhelm II. stammt das preußische Landrecht her (1794)
und das Landrecht schafft ebenfalls die bäuerliche Leibeigenschaft
ab. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm III. hat dann nichts
mehr von der verhaßten Einrichtung vorgefunden, sodaß man
also sagen kann: die vier ersten Könige haben hier reinen Tisch
gemacht: die monarchische Gewalt hat das Unkraut, das in den
Adelsrepubliken weiter wucherte, diese Giftpflanze, frühzeitig
unterdrückt und völlig ausgerottet, ehe das 19. Jahrhundert
anbrach, ja in der Hauptsache schon vor der französischen Repolution. ¬