§. 7. Die Technik.
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Entfaltung selbst, an der Hand der Skizze weiter gebildet, als
Komposition bezeichnen. Hier wird die organische Gliederung
des Bildes zu einem Ganzen auf Grund der Skizze in den einzelnen ¬
Theilen vollführt. Je vollendeter und in allen Theilen
ausgeführt die Komposition erscheint, um so völliger ist das innere
Bild des Künstlers in die Objektivität eingetreten. Indeß bleibt
die Komposition immer noch der so zu sagen ideale Theil des
Werkes. Ihr hat nun die technische Ausführung in Zeichnung,
Farbe oder Plastik den realen Ausbau, Fleisch und Blut, zu
geben. Diese äußere Geschicklichkeit, die künstlerische Technik wird
zur wirklichen Ausführung erfordert. Aber auch diese Technik läßt
sich nicht von dem innern Schaffen losgelöst denken; sie hängt
durch ein inneres Band mit dem bildenden Geiste zusammen.
In dieser Weise muß die ideale (innere) und die reale
Seite des künstlerischen Werkes in steter organischer Verbindung
als die zwei Seiten eines und desselben Gegenstandes gedacht
werden. Beide gehören dem schaffenden Künstler an; in beiden
erscheint die Schöpfung als sein Werk; als sein Werk, nicht
nur soferne es von ihm herrührt, sondern auch, indem es als
Ausfluß seines Geistes ihm bleibend angehörts)
des Ganzen gewisse besondere Schönheiten sich wie von selbst darbieten;
dies nennt man Motiv im engeren Sinn. So z. B. die Mutter,
die ihr Kind erstochen hat und indem sie es verzweifelnd noch anschaut,
sich nicht entschließen kann, sich durch die entsetzliche Speise vom Hungertode ¬
zu retten, in Kaulbach's Zerstörung von Jerusalem. Endlich zieht
sich der Begriff des Motivs auf eine engste Bedeutung zusammen, indem
innerhalb eines solchen Theils des Ganzen das schon Gefundene benützt
wird, um schöne Formen, Linien, Töne u. s. w. ganz im Einzelnen zu
entwickeln. Selbst eine einzelne Form, z. B. im Ornament heißt Motiv
in diesem Sinn: ich führe einen Blumenstengel in einer gewissen Wendung ¬
fort und finde so von selbst einen Punkt, wo er sich naturgemäß
spaltet, weitere anziehende Bildungen entwickelt, oder ich benütze den oder
jenen durch den Bauzweck geforderten Theil eines Gebäudes, ein passendes
Ornament anzubringen; so wird dem Griechen die Säule und der Druck
der Last, die auf ihr liegt, zum Motiv des Capitäls u. s. w.
3) Vgl. Vischer, Aesthetik, §. 492. „Der Künstler behält
sein Bild auch in und nach der Ausführung als inneres, aber es
Wächter, Urheberrecht.