Metadaten : Wächter, Oscar von: ¬Das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste, Photographien und gewerblichen Mustern

§.  7.  Die  Technik.
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Entfaltung  selbst,  an  der  Hand  der  Skizze  weiter  gebildet,  als
Komposition  bezeichnen.  Hier  wird  die  organische  Gliederung
des  Bildes  zu  einem  Ganzen  auf  Grund  der  Skizze  in  den  einzelnen ¬
  Theilen  vollführt.  Je  vollendeter  und  in  allen  Theilen
ausgeführt  die  Komposition  erscheint,  um  so  völliger  ist  das  innere
Bild  des  Künstlers  in  die  Objektivität  eingetreten.  Indeß  bleibt
die  Komposition  immer  noch  der  so  zu  sagen  ideale  Theil  des
Werkes.  Ihr  hat  nun  die  technische  Ausführung  in  Zeichnung,
Farbe  oder  Plastik  den  realen  Ausbau,  Fleisch  und  Blut,  zu
geben.  Diese  äußere  Geschicklichkeit,  die  künstlerische  Technik  wird
zur  wirklichen  Ausführung  erfordert.  Aber  auch  diese  Technik  läßt
sich  nicht  von  dem  innern  Schaffen  losgelöst  denken;  sie  hängt
durch  ein  inneres  Band  mit  dem  bildenden  Geiste  zusammen.
In  dieser  Weise  muß  die  ideale  (innere)  und  die  reale
Seite  des  künstlerischen  Werkes  in  steter  organischer  Verbindung
als  die  zwei  Seiten  eines  und  desselben  Gegenstandes  gedacht
werden.  Beide  gehören  dem  schaffenden  Künstler  an;  in  beiden
erscheint  die  Schöpfung  als  sein  Werk;  als  sein  Werk,  nicht
nur  soferne  es  von  ihm  herrührt,  sondern  auch,  indem  es  als
Ausfluß  seines  Geistes  ihm  bleibend  angehörts)
des  Ganzen  gewisse  besondere  Schönheiten  sich  wie  von  selbst  darbieten;
dies  nennt  man  Motiv  im  engeren  Sinn.  So  z.  B.  die  Mutter,
die  ihr  Kind  erstochen  hat  und  indem  sie  es  verzweifelnd  noch  anschaut,
sich  nicht  entschließen  kann,  sich  durch  die  entsetzliche  Speise  vom  Hungertode ¬
  zu  retten,  in  Kaulbach's  Zerstörung  von  Jerusalem.  Endlich  zieht
sich  der  Begriff  des  Motivs  auf  eine  engste  Bedeutung  zusammen,  indem
innerhalb  eines  solchen  Theils  des  Ganzen  das  schon  Gefundene  benützt
wird,  um  schöne  Formen,  Linien,  Töne  u.  s.  w.  ganz  im  Einzelnen  zu
entwickeln.  Selbst  eine  einzelne  Form,  z.  B.  im  Ornament  heißt  Motiv
in  diesem  Sinn:  ich  führe  einen  Blumenstengel  in  einer  gewissen  Wendung ¬
  fort  und  finde  so  von  selbst  einen  Punkt,  wo  er  sich  naturgemäß
spaltet,  weitere  anziehende  Bildungen  entwickelt,  oder  ich  benütze  den  oder
jenen  durch  den  Bauzweck  geforderten  Theil  eines  Gebäudes,  ein  passendes
Ornament  anzubringen;  so  wird  dem  Griechen  die  Säule  und  der  Druck
der  Last,  die  auf  ihr  liegt,  zum  Motiv  des  Capitäls  u.  s.  w.
3)  Vgl.  Vischer,  Aesthetik,  §.  492.  „Der  Künstler  behält
sein  Bild  auch  in  und  nach  der  Ausführung  als  inneres,  aber  es
Wächter,  Urheberrecht.
            
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