Objekt : Psychologische Skizzen - Ueber das Mitgefühl (H. 1)

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ein,  daß  uns  die  Theilnahme  der  andern  in  höherem
Grade  lieb  ist,  als  ihr  Mitwissen  unlieb,  daß  wir  also
gerne  ihr  Mitleid  uns  gefallen  lassen,  und  es  sogar  suchen.
Aber  man  kann  sehr  wohl  bemerken,  daß  wir  auch  nur
in  solchen  Fällen,  und  wo  wir  gewiß  sind,  diese  wohlwollende
  Theilnahme  zu  finden,  gerne  von  unserm  Leiden
etwas  an  andere  mittheilen,  während  wir  sonst  sehr  bemühet
  sind,  es  vor  andern  zu  verbergen  (§.  20.).
22.
Nur  als  eine  Fortsetzung  und  Erweiterung  der  im
vorigen  §.  gemachten  Beobachtungen  ist  zu  betrachten  die
andere:  daß  überhaupt  allemal  das  Wohlwollen
  anderer  uns  lieb,  ihr  Uebelwollen  aber
unlieb  ist.  Man  kann  wohl  nicht  ohne  Grund  behaupten,
  daß  im  Mitgefühl  und  Widergefühl  anderer  eben
das  Wohlwollen  und  resp.  Uebelwollen  derselben  es  ist,
was  uns  angenehm  und  resp.  unangenehm  daran  ist.
Aber  eben  darum  ist  es  nöthig,  dieß  Gesetz  auch  in  allgemeinerem
  Umfange  auszusprechen,  wenngleich  es  in
jenem  engeren  schon  enthalten  ist,  mit  welchem  es  aber
keineswegs  identisch  ist.  Denn  es  sind  Mitgefühl  und
Widergefühl  bei  weitem  nicht  die  einzigen  Weisen,  in
denen  sich  Wohlwollen  und  Uebelwollen  aussprechen,  sondern
  sie  haben  deren  unendlich  viel  mehre,  und  wenn
freilich  Mitgefühl  allemal  Wohlwollen  ist  oder  enthält,
so  ist  doch  Wohlwollen  nicht  allemal  Mitgefühl;  es  können
  sich  ja  Wohlwollen,  Freundschaft,  Zuneigung  und
Liebe  auf  sehr  viel  andere  Arten  beweisen,  wobei  gar
nicht  von  Mitgefühl  die  Rede  ist,  z.  B.  durch  Wohltha¬6

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