Full text : Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 3 (1818))

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Ich  wünsche  nicht,  daß  die  Gleichheit  vor  dem  Gesetz,
die  Beweglichkeit  des  Besitzes,  die  Oeffentlichkeit  der
Regierungshandlungen  überall  auf  einmal  in  derselben
Form  mit  Gewalt  eingeführt  werden,  aber  ich  wünsche,
daß  sie  da,  wo  sie  eingeführt  sind,  nicht  wieder  aufgehoben -
  werden  möchten,  um  eines  veralteten  Wesens  willen,
von  dem  die,  welche  ihm  anhangen,  selbst  nicht  bestimmt
zu  sagen  wissen,  auf  welche  Art  es  möglicherweise  bestehen
kann.  Uns  Rheinländern  sind  diese  Wohlthaten  durch  die
französischen  Gesetze  geworden,  und  mich  dünkt,  sie  haben
uns  genug  gekostet.  Wir  haben  eine  Kommunal=Verfassung,
welche  unserer  Kultur  und  den  Verhältnissen  der  Bürger
entspricht.  Wir  haben  eine  Verfassung,  in  welcher  die
Vertretung  sich  nach  dem  Antheil  richtet,  welchen  jeder
an  den  öffentlichen  Lasten  nimmt.  Allerdings  mag  dieser
Verfassung  noch  Manches  zur  freier  Lebendigkeit  fehlen,
aber  sie  enthält  alle  Keime  dazu  und  bedarf  nur  der  Entwickelung. -
  Die  Departemental=Räthe  brauchen  nur  aus
den  Meistbesteuerten  gewählt,  ihre  Befugnisse  brauchen
nur  ausgedehnt  zu  werden,  und  wir  haben  Provinzial¬Stände, -
  die  unsern  Bedürfnissen  entsprechen.
Die  Form  dieser  Einrichtungen  ist  nicht  unveränderlich;
sie  mag  einiges  Fremde  an  sich  tragen,  welches  dem  deutschen -
  Charakter  gemäßer  seyn  könnte;  aber  das  Wesen
derselben  ist  unumgänglich  nothwendig.  Wir  werden  daher
an  dieser  Form  halten  müssen,  bis  man  uns  eine  andere
zeiget,  welche  das  Wesen  eben  so  vollständig  enthält.
Aber  keine  Vorspiegelungen  und  keine  Beredtsamkeit
wird  uns  je  bewegen  können,  dieses  Wesen  selbst  aufzugeben, -
  und  zu  Einrichtungen  zurückzukehren,  die  einen
Zustand  der  Kindheit  in  der  bürgerlichen  Gesellschaft
voraussetzen,  dem  wir  nun  einmal  längst  entwachsen  sind.
(Eingesandt.)
o
Staatsbibliothek
Max-Planck-Institut  für
zu  Berlin
            
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