Objekt : Girtanner, Christoph: Anfangsgründe der antiphlogistischen Chemie

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Neun  und  zwanzigstes  Kapitel.
Von  der  Kochsalzsäure.
Die  Kochsalzsäure  findet  man  in  dem  Mineralreiche  sehr
häufig.  Mit  Soda,  Kalk=Erde  und  Bitter=Erde  vereinigt,
ist  sie  im  Meerwasser  vorhanden;  mit  der  Soda  allein  im
Steinsalze.  Bisher  waren  die  Bestandtheile  dieser  Säure
noch  unbekannt,  und  man  schloß  bloß  aus  Analogie,  daß
sie  Sauerstoff  enthalte:  endlich  aber  ist  es  mir  gelungen,
die  Richtigkeit  dieses  Schlusses  zu  beweisen,  und  die  Kochsalzsäure ¬
  in  ihre  Bestandtheile,  in  Wasserstoff  und
Sauerstoff,  zu  zerlegen.
1.  Versuch.  Wenn  man  reine,  von  Wasser  befreite,
Kochsalzsäure  über  Zinn  kochen  läßt,  und  das  Gefäß  mit
dem  pneumatischen  Apparate  verbindet:  so  wird  das  Zinn
endlich  ganz  aufgelöst  und  die  Kochsalzsäure  wird  zerlegt.
Das  Zinn  säurt  sich  auf  Kosten  der  Säure;  die  hiedurch
entstandene  Zinnhalbsäure  verbindet  sich,  mit  dem  noch  unzerlegten ¬
  Theile  der  Säure,  zu  kochsalzgesäurtem  Zinne,
und  der  andere  Bestandtheil  der  Säure,  das  Wasserstoffgas, ¬
  geht  unter  den  pneumatischen  Apparat.
2.  Versuch.  Reine  wasserfreie  Kochsalzsäure  löst,  bei
einer  höheren  Temperatur,  das  Wismuth  auf,  und  es  entwickelt ¬
  sich  Wasserstoffgas.
3.  Versuch.  Das  Zink  löst  sich,  in  der  reinen  Kochsalzsäure, ¬
  mit  Erhitzung  und  Brausen  auf,  und  man  erhält
Wasserstoffgas.
4.  Versuch.  Wenn  man  reine  Kohlensäure  über  thierische ¬
  Theile,  z.  B.  über  Wolle,  in  einer  Retorte  gießt,  die
Retorte  mit  dem  pneumatischen  Apparate  verbindet,  und
nachher  Feuer  unter  derselben  anmacht:  so  wird  die  Säure
zerlegt.  Der  Sauerstoff  verbindet  sich  mit  der  Wolle,  säurt
dieselbe,  und  färbt  sie  schwarz.  Unter  dem  pneumatischen
Apparate  erhält  man  Wasserstoffgas.
5.  Versuch.  Wenn  man  reine  Kochsalzsäure  auf  trockne ¬
  geschwefelte  Pottasche  gießt;  so  erhält  man  geschwefeltes
Wasserstoffgas.
            
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