III. Pius II. über die Lage der Hofdiener. 47
Achtung vor der Tugend eingepflanzt war, entschlossen habe, -
den Großen zu folgen, wobei ich doch wenigstens einige -
Kenntnisse gewonnen habe, die ich mir nie erworben hätte, -
wenn ich in früheren Jahren in Dienste getreten wäre,
da es an den Höfen eine Schande ist, etwas zu wissen,
und der Gelehrte zum Gegenstand des Spottes gemacht
wird, — und doch ist es auch fuͤr den Ungelehrten empfindlich, -
daselbst von Gelehrten lateinisch sprechen zu hören, ohne -
es zu verstehen.
Ein unruhiges Gewissen — nach Cicero die härteste
Strafe — ist übrigens der stete Begleiter und man trägt
Tag und Nacht, wie Rhadamantus, in der Brust den
Zeugen seiner Unthaten.
Freundschaft, das edelste Geschenk der Götter, wie
Cicero sagt, so gut, so angenehm, so wohlthätig, so nöthig -
sie ist, ist gleichwohl den Dienern fremd. Ihre Stelle
vertreten Factionen und Cabalen.
Trifft man auch Fleiß und Thätigkeit, so fehlt es doch
am Gepräge der Rechtschaffenheit, die immer im Schatten
bleibt.
Freygebigkeit stützt sich bey ihnen immer auf Raub.
Sind sie keusch, so sind sie auf der andern Seite stolz
und hochmüthig, und sind sie dies nicht, so sind sie Schwelger -
und Possenreißer. Kurz, eine jede Tugend wird von
tauseyd Lastern begleitet.
Wer wollte sich unter solchen Menschen einen Freund
auslesen? und fände man einen, der dieses Namens würdig -
wäre, so kann man sicher darauf rechnen, daß er entweder -
den Fürsten oder den Magnaten mißfällt, und man
daher, nach der an den Höfen eingeführten Sitte, senen
Umgang meiden muß. Und würde der innigste, vielleicht
.
Staatsbibliothel
Max-Planck-Institut für
zu Berlin