Contents : Baron, Julius: Pandekten

Dasein  des  Willens.  §  50.
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Erklärung  genannt  hat'
Bei  Kaufverträgen  und  verwandten  Geschäften
steht  dem  Irrthum  über  den  Gegenstand  auch  der  Irrthum  über  gewisse
Eigenschaften  des  Gegenstandes  (sog.  error  in  substantia)  gleich  (§  286)
Den  aufgezählten  drei  Fällen  des  wesentlichen  Irrthums  gleich  steht
das  sog.  Mißverständniß.  Bei  Verträgen  nämlich  ist  der  Irrthum
auch  dann  ein  wesentlicher,  wenn  durch  ihn  eine  übereinstimmende  Erklärung ¬
  beider  Theile  nur  scheinbar  zu  Stande  kommt;  jede  der
Parteien  irrt  sich  über  den  Willen  der  anderen  und  erklärt ¬
  einen  diesem  nicht  correspondirenden  Willen.  Der
Irrthum  kann  möglicherweise  die  Natur  des  Rechtsverhältnisses  betreffen
(der  Eine  zahlt  eine  Summe  als  Darlehn,  der  Andere  empfängt  sie  als
Geschenk:  es  kommt  alsdann  weder  ein  Darlehn  noch  eine  Schenkung  zu
Stande*)  oder  die  Person  der  anderen  Partei  (es  erhält  Jemand  von
A  ein  Darlehn,  glaubt  es  aber  von  B  erhalten  zu  haben;  dies  ist  der
Fall  der  sog.  condictio  Iuvenciana?,  §  273)  oder  die  Sache  (der  Eine
will  das  Cornelianische  Grundstück  kaufen,  der  Andere  das  Sempronianische
verkaufen!
Irrthümer  anderer  Art  sind  ohne  Einfluß  auf  das  Zustandekommen
eines  Rechtsgeschäfts  (sog.  error  non  essentialis,  concomitans);  so  der
Irrthum  über  Namen  und  Eigenschaften  einer  Partei  (falsa  demonstratio
non  nocet  *1),  über  Namen  und  unwesentliche  Eigenschaften  der  Sache
(s.  oben  sub  3)  sowie  über  Accessionen  der  Sache,  auf  welche  sich  das
Rechtsgeschäft  bezieht
Auch  ein  irrthümliches  Motiv,  aus  welchem  der
Handelnde  das  Rechtsgeschäft  vorgenommen  hat,  ist  im  Allgemeinen  ohne
Einfluß  auf  das  Rechtsgeschäft":  falsa  causa  non  nocet  134;  davon  giebt
es  aber  erhebliche  Ausnahmen  (§  51).
III.  Im  Fall  der  physischen  Gewalt  (sog.  vis  absoluta,  Ueberwältigung ¬
  durch  körperliche  Uebermacht,  mechanischer  Zwang,  z.  B.  Jemand  führt
einem  Anderen  mit  Gewalt  die  Hand  zur  Unterschrift  eines  Vertrages,
Jemand  hält  einen  Vormund  gewaltsam  zurück,  damit  aus  seiner  Gegenwart ¬
  bei  dem  Geschäft  eines  Mündels  eine  Genehmigung  des  Geschäftes
hervorgehe
Der  Handelnde  will  hier  weder  das  Eintreten  einer  juristischen ¬
  Wirkung  noch  selbst  die  Erklärung  eines  Willens;  die  letztere  wird
ihm  mit  Gewalt  abgerungen;  sie  ist  deshalb  nichtig,  gleichviel  ob  die  Gewalt ¬
  eine  bedeutende,  unwiderstehliche  war  oder  nicht.  —  Wohl  zu  unterscheiden ¬
  ist  der  Fall  der  psychischen  Gewalt  (Drohung,  §  51).
’l.  9.  §  1.  D.  de  her.  inst.  28.  5;  l.  4.  pr.  D.  de  leg.  1  (30);  l.  34.  pr.  D.
de  a.  p.  41.  2:  l.  10.  C.  de  don.  8,  54.  —  8  l.  18.  D.  de  r.  c.  12.  1:  l.  36.  D.  de
acq.  dom.  41.  1.  —  °  l.  32.  D.  de  r.  c.  12,  1:  vgl.  ferner  l.  52.  §  21.  l.  66.  §  4.
D.  de  furt.  47.  2.  —  10  l.  9.  pr.  D.  de  c.  e.  18,  1:  l.  57.  D.  de  o.  et  a.  44,  7:
l.  83.  §  1.  l.  137.  §  1.  D.  de  v.  o.  45,  1:  §  23.  I.  de  inut.  st.  3.  19.  —  11  J.  48.
§  3.  D.  de  her.  inst.  28,  5:  l.  33.  pr.  D.  de  cond.  35.  1:  l.  4.  C.  de  test.  6,  23;
§  29.  I.  de  leg.  2.  20.  —  12  l.  9.  §  1.  l.  34.  pr.  D.  de  c.  e.  18.  1:  l.  80.  D.  de
iud.  5,  1:  l.  32.  D.  de  v.  o.  45.  1;  l.  4.  pr.  D.  de  leg.  1  (30):  l.  28.  D.  de  reb.
dub.  34,  5.  —  12  l.  3.  §  7.  D.  de  c.  c.  d.  c.  n.  s.  12,  4:  l.  52.  l.  65.  §  2.  D.
de  cond.  ind.  12.  6.  —  13a  l.  17.  §  2.  l.  72.  §  6.  D.  de  cond.  35,  1:  §  31.  I.
de  leg.  2,  20:  l.  1.  C.  de  falsa  causa  adi.  6,  44.  —  14  cf.  l.  1.  §  1.  D.  de  auct.
tut.  26,  8.
            
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