Vorwort.
warten. Vor Allem war es mir eine Freude, mich noch einmal in
diesem Werk an die deutsche Jugend wenden zu können. Möge es auch
unter veränderten Verhältnissen ein Echo finden.
Westend, 28. September 1899.
Heinrich Dernburg.
Vorwort zur ersten Auflage.
Den Jüngern und Freunden der gemeinrechtlichen Wissenschaft übergebe ¬
ich hiermit die ersten Theile einer Darstellung der Pandekten, die
ich in kurzer Frist zu vollenden hoffe. Seit Jahren stand der Gedanke
dieses Werkes vor mir. Aber zunächst nahm mich eine andere wichtige
Aufgabe in Anspruch. Als diese im wesentlichen gelöst war, schien es
mir kaum möglich bei der vielfachen Thätigkeit, die mir obliegt, Zeit und
Kraft zu gewinnen, um eine Darstellung der Pandekten würdig zu
vollenden.
Doch der Gedanke ist mächtiger geworden als die Bedenken, die ihm
entgegenstanden. Sowie ich die Arbeit begonnen hatte, war ich durch sie
gefangen. Welche Befriedigung, den Stoff, den ich oftmals vorgetragen
hatte, nunmehr nach allen Richtungen mit gespannter Kraft durchzudenken
Zweifel zu lösen, welchen ich bisher nicht auf den Grund gehen konnte,
Anschauungen feste Gestalt zu geben, die bisher nur unbestimmtere Umrisse ¬
bei mir hatten! Nicht wenige Grundgedanken konnte ich in meinem
Buche über preußisches Privatrecht nur andeuten. Nun erst hatte ich
Gelegenheit, sie näher zu entwickeln, hie und da richtiger zu bestimmen.
Denn die Erörterung der Grundbegriffe kann zum großen Theile nur
auf dem Boden des gemeinen Rechtes geschehen. Vor allem war mir
wichtig, daß ich manches weiter ausführen durfte, was ich in meinen
Vorlesungen über Pandekten nur kurz berühren konnte.
Der studirenden Jugend ist dieses Werk bestimmt. Gelingt es mir,
sie im Studium zu fördern, so ist sein Ziel erreicht. Sollte auch der in
der Praxis stehende Jurist in dem Buche Anregung und Unterstützung
finden, so wäre dies hocherwünscht.
Dreierlei scheint mir erforderlich, damit ein Buch über Pandekten
den Zweck der Förderung des wissenschaftlichen Studiums voll erreicht.