74
ihn gewaltsam zwingt im Dienstverhältniß zu bleiben. Die eventuelle
Reduction einer zu großen Gehilfenzahl ist demnach nur eine nach
Recht und Billigkeit sich regelnde Ausgleichung und Herstellung der
richtigen Verhältnisse. Was ferner die Annahme betrifft, daß es seiner
Zeit an Gesellen mangeln dürfte, um dem vorhandenen Arbeitsbedürfniß ¬
zu genügen, so brauchen wir deßhalb gewiß wenig Sorge zu
tragen.
Daß jeder Geselle schleunigst Meister werden wird, ist nicht zu
fürchten. Abgesehen davon, daß immerhin noch gewisse gesetzliche Beschränkungen ¬
aufrecht erhalten werden dürften, gehört zum Wollen
auch das Können und die größere Mehrzahl unserer jungen Gehilfen
wird immerhin geraume Zeit im Dienstverhältniß bleiben müssen, bis
die erforderlichen Mittel aufgebracht sind, ein eigenes Geschäft zu begründen. ¬
Ein effectiver Mangel an Gehilfen ist demnach wohl nicht
vorherzusehen, um so weniger, als bei der jetzt gegebenen Möglichkeit
einen örtlichen Arbeitsmangel leicht zu weiterverbreiteter Kenntniß zu
ingen und bei den vorhandenen Reiseerleichterungen rasch ein Zufluß
von Arbeitern aus der Ferne erfolgen kann. Sind die Werkstätten im
gewerbfreien Ausland nach Bedürfniß besetzt und häufig sehr zahlreich,
warum sollte — wenn eine freiere Bewegung eintritt — nicht auch
die bayerische Werkstätte die benöthigten Gehilfen finden? Ein weiterer ¬
Einwand gegen die Gewerbfreiheit sagt:
daß sie der Macht des Capitales einennoch größeren
Spielraum einräume, als dasselbe bisher schon
besitzt.
Diese Behauptung erweist sich bei genauer Erwägung, als vollständig ¬
unbegründet. Der Macht des Kapitals kann man keine Schranken
setzen, sie ist die gewaltige Triebfeder in unserem ganzen Gewerbsund ¬
Handelsorganismus; sie ist übermächtig, und die neben ihr bestehende ¬
Macht der Intelligenz, der Arbeitskraft, des Fleißes ist bei
unserem jetzigen Gewerbswesen hintangesetzt und Dienerin des Kapitals ¬
geworden. Wer heute ein Geschäft treiben will, sei es, welches
es wolle, der wird geringe Schwierigkeiten finden es auszuüben, wenn
er reiche Mittel nachzuweisen vermag. Verlangt ein Capitalist die
Concession zu irgend einem großen Fabrikunternehmen, erfolgt wahrscheinlich ¬
baldige Gewährung, ohne daß erst nachzuweisen ist, ob er