Inhaltsverzeichnis : Köppen, Karl Friedrich Albert: System des heutigen römischen Erbrechts

Delation  der  Erbschaft.  V.  Ausübung  des  Erbrechts.  §  15.  427
natura  ist,  und  daß  es  demnächst  in  eine  Lage  kommt,  in
der  es  von  demselben  Gebrauch  machen  kann!
Dabei
wird  aber  der  Verschollene  nicht  definitiv  als  lebend  prä11) ¬

sumirt,  sondern  die  Frage,  ob  er  lebt,  ist  in  pendenti
und  entscheidet  sich  erst  ex  postfacto,  durch  seine  Rückkehr
oder  durch  den  späteren  Nachweis  seines  Todes  12).  Die
Ausübung  des  reservirten  Erbrechts  ist  daher  auf  alle  Fälle
unmöglich,  weil  seine  Existenz  ungewiß  ist  13);  auch  ein  Repräsentant, ¬
  der  an  sich  dieselbe  vornehmen  dürfte,  kann  aus
14
diesem  Grunde  den  Verschollenen  nicht  vertreten
Der  provisorische  Zustand  zu  Gunsten  des  Verschollenen
schließt  die  Mit-  und  Nacherben  so  lange  aus,  bis  sie  den
Tod  desselben  beweisen  können  15
Das  römische  Recht  kennt
10)  l.  12  D.  de  b.  p.  (37.  1).  Non  est  ambigendum,  quod  plerumque ¬
  et  contra  fiscum  et  contra  rempublicam  admitti  debeant  quidam, ¬
  utputa  venter,  item  furiosus,  item  is,  qui  captivi  bonorum  possessionem ¬
  petit.  Aus  der  Zusammenstellung  des  captivus  mit  dem
furiosus  und  venter  ergiebt  sich,  daß  hier  mit  der  captivi  bonor.  poss.
die  ihm  selbst  zustehende  b.  p.  gemeint  ist,  nicht,  wie  die  Basiliken
(XL.  1.  12)  und  die  Glosse  annehmen,  die  b.  p.  an  seiner  Erbschaft,
vgl.  Bruns  a.  a.  O.  S.  96.
11)  l.  10  §  1  D.  ad  S.  C.  Tertull.  (38.  17).  Quando  in  pendenti -
  est,  an  quaedam  personae  possint  obstare  matri,  et  casus
tulerit,  ut  non  inducerentur,  matris  ius  integrum  erit,  quod  medio
tempore  appenderit,  veluti  si  filio  intestato  mortuo  postumus  ei  filius
potuerit  nasci,  nec  natus  sit,  aut  mortuus  editus,  vel  quod  etiam
filius,  qui  in  hostium  potestate  erat,  postliminio  non
sit  reversus.
12)  l.  169  §  1  D.  de  R.  J.  (50.  17).  Quod  pendet,  non  est  pro
eo,  quasi  sit.  1.  15  D.  de  reb.  dub.  (34.  5).  Quaedam  sunt,  in  quibus ¬
  res  dubia  est,  sed  ex  postfacto  retroducitur  et  apparet,  quid
actum  est.
13)  Vgl.  §  10.
14)  Die  Verschollenheit  hinderte  also  z.  B.  beim  infans  die  Vertretung ¬
  durch  seinen  Tutor  und  seinen  Paterfamilias,  vgl.  §  12  u.  13.
15)  Vgl.  Note  9.
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