Full text : Hammer, Philipp: ¬Die christliche Mutter in ihrem Berufe

41
nur  allzusehr,  ja,  fast  blindlings  folgt.  Dieser  herbe
Verlust  aber  hatte  für  ihn  die  aller  traurigsten
Folgen.  Friedlos  irrte  er  in  der  Welt  umher,  um
den  Frieden  zu  suchen.  Aber  was  er  allerwärts,
sogar  in  Amerika,  am  Niagarastrom,  suchte,  fand  er
nirgends;  denn  er  hatte  seinen  religiösen  Glauben,
den  ihm  seine  Mutter  eingepflanzt,  weggegeben,  um
glücklich  zu  werden;  aber  nun  fühlte  er  sich  nicht  nur
nicht  glücklich,  sondern  erst  recht  unglücklich.  Ihm
ward  nun  zumute  wie  dem  Doktor  Faust  am  Östermorgen, -
  da  er  ausrief,  als  er  die  Auferstehungsglocken
läuten  hörte:
Was  sucht  ihr,  mächtig  und  gelind,
Ihr  Himmelstöne,  mich  am  Staube?
sind,
Tönt  dort  umher,  wo  fromme  Menschen
Die  Botschaft  hör'  ich  wohl,  allein  mir  fehlt  der  Glaube!
Daher  schrieb  einer  bei  seinem  Tode  die  schmerzlichen -
  Worte  über  den  „unglücklichen  Dichter  der
Schilf=  und  Nachtlieder":  „Armer  Lenau!  wie  glich
dein  Leben  doch  ganz  dem  düstern  See,  in  dem  das
traurige  Schilf  der  Glaubenslehre  stöhnte  und  ächzte
und  keine  Welle  der  innern  Beseligung  rauschte,  wie
glich  es  so  ganz  der  Nacht,  der  unheimlichen,  die  kein
Strahl  der  göttlichen  Hoffnung  erleuchtete!  Ach,  du
hörtest,  gleich  Faust,  die  Östermorgenglocken  das  Alleluja -
  singen,  allein  dir  fehlte  alles,  alles,  dir  fehlte
der  Glaube,  und  weil  dein  Herz  groß  und  zu  Edlem
geschaffen  war,  mußte  Verzweiflung  und  Wahnsinn  dich
umnachten!"  —  Wer  weiß  aber,  ob  es  mit  ihm  und
seinem  ganzen  Lebenslauf  nicht  einen  ganz  anderen,
nicht  einen  glücklichen  Ausgang  genommen  hätte,  wenn
ihm  seine  Mutter  am  Leben  geblieben  wäre?  Was
er  seinen  „Faust"  in  der  Mondnacht  auf  dem  Kirchhof
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer