Volltext : Allgemeine oesterreichische Gewerbs- und Handels-Gesetzkunde (3)

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Auch  der  Düngerwerth  der  Waldstreu  ist  —  abgesehen  von  einem
etwas  höheren  Phosphorsäuregehalt  des  Mooses  und  der  Laubstreu
gegenüber  dem  des  Roggenstrohs  —  ein  geringerer  als  der  des  Strohs
und  insbesondere  als  der  der  künstlichen  Düngemittel,  wie  das  durch
folgende  Tabelle  Ebermayers  sehr  gut  veranschaulicht  wird:
Um  einen  Hundner  Kali  auf  den  Acker  zu  bringen,  sind  ungefähr ¬
  nöthig:
3  Hundner  dreifach  konzentrirter  Staßfurter  Kalidünger,
112
Roggenstroh,
180
Waldmoos,
330
Buchen=  und
Eichenlaub,
620
Fichtennadeln,
660
Kiefernnadeln.
Um  einen  Hundner  Phosphorsäure  auf  den  Acker  zu  bringen,
sind  ungefähr  nöthig:
Knochenmehl
4—5  Hundner
318
Laubstreu,
337
Waldmoos,
416
Roggenstroh,
166
Fichtennadeln,
816
Kiefernnadeln.
Sehr  bemerkenswertl
ist  insbesondere  der  äußerst  geringe  Gehalt
der  Nadelstreu,  in  Sonderheit  der  Kiefernnadeln  an  den  beiden  Nährstoffen; ¬
  denn  gerade  um  die  Frage  der  Benutzung  dieser  Waldstreuart
wird  es  sich  in  den  meisten  Sandgegenden  des  Östens  ja  in  erster
Linie  handeln.
Bedenkt  man  nun  ferner,  daß  die  Waldstreu,  und  zwar  vornehmlich ¬
  wieder  die  Nadelstreu,  durch  ihren  Gehalt  an  Gerbsäuren,
Harz  und  brenzlichen  Oelen  häufig  sogar  dem  Pflanzenwachsthum
von
schädlich  sein  kann,  so  wird  man  zu  dem  Schlusse  kommen,  daß  —
Nothjahren  abgesehen  die -
  Waldstreu  durchaus  zu  verwerfen  ist,  und
daß  man  keineswegs  das  ganze  Arbeiterkolonisationswerk  auf  die  Nothwendigkeit ¬
  ihrer  Benutzung  basiren  darf
Mit  allen  Mitteln  sollte  dagegen  die  Benutzung  der  Torfstreu
als  Streumaterial  neben  dem  Roggenstroh  —  ohne  eine  Zugabe  von
solchem  soll  sie  namentlich  in  Rindviehställen  sich  oft  nicht  recht  bewährt
haben  —  gefördert  werden.  Denn  die  Torfstreu  hat  die  doppelte  Aufsaugungsfähigkeit ¬
  wie  Roggenstroh,  absorbirt  mit  großer  Energie  das
Ammoniakgas  der  Ställe,  bereichert  den  Boden  sehr  stark  mit  Stickstoff ¬
  und  Humussubstanzen  und  übt  dadurch  in  physikalischer  und
chemischer  Beziehung  einen  ungemein  wohlthätigen  Einfluß  auf  den
Boden  aus.
Ganz  besonders  empfehlenswerth  ist  aber  die  Benutzung  der  Torfzeu ¬
  aus  allgemein  volkswirthschaftlichen  Gründen.  Denn  im
geraden  Gegensatz  zur  Waldstreuentnahme  ist  eine  starke  Torfentnahme
behufs  Fabrikation  von  Torfstreu  in  höchstem  Grade  wünschenswerth.
Meiner  Ueberzeugung  nach  wird  die  seit  einigen  Jahren  versuchte  Hoch*) ¬
  An  Thomasmehl  wären  5—6  Hundner  nöthig.
            
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