298 Die versuchte Reaktion. Kaiser Franz II. u. seine Hofkommerzkommission.
den Zinn= und Gelbgießer, den Gürtler und Falschschmuckarbeiter.
Jetzt besteht neben dem Zinngießer eine große Zinkindustrie,
namentlich für Bauornamentik. Der Gelbgießer hat sich
innerhalb seines alten Kreises specialisiert. Eigene Erzeuger
machen messingene Ofenthürchen, eigene nur Gewichte und
Messingwagen, eigene wieder andere Erzeugnisse. Der
Glockengießer macht nicht mehr bloß Kirchenglocken, sondern die
mannigfachsten Glocken für Industrien, und der ehemalige
Gürtler hat sich zu einer kolossalen und bis ins unabsehbare
verästelten Industrie, die Bronzeindustrie, ausgestaltet, deren
einzelne durchaus specialisierte Zweige, sowohl die Herstellung
von Bestandteilen für die mannigfachsten Industrien (je für
Buchbinder, Möbel=, Stöcke-, Parapluie-, Pfeifen- und Lampenerzeuger), ¬
wie die Erzeugung von großen selbständigen Reihen
von Artikeln: Schmuck (Uhrketten, Medaillons, Ohrgehänge,
Flittern), Rahmen, Uhrgehäusen, Wohnungsgegenständen überhaupt, -
Garnituren bis zur eigentlichen Kunstindustrie, darunter
speciell für Kirchen, umfassen.
Eine dritte, wesentlich von beiden verschiedene, die Drahtindustrie ¬
— eigentliche Drahtfabriken, Fabriken für Draht- ¬
ist
stiften und Drahtnägel und leonische Drahterzeugung
wesentlich keine Wiener Produktion mehr, sondern verkauft
hier nur ihre Ware. In Wien verblieben sind nur noch zu der Zeit
die Sieb (boden=), die Stahl=, Messing= und Weberkamm=Macher, ¬
die Drahtsaiten- und Drahtgalanteriewaren=Erzeuger, -
und die Vogelbauermacher.
Ähnlich verhält es sich mit der wesentlich auf den Draht
basierten Nadelindustrie, von der wir zu der Zeit in Wien nur
noch Nadler finden, welche Nadelspecialitäten: Pariser Stifte
Sammetbandnadeln, Nadeln für Strumpfwirker
und Stuhlmaschinen, vergoldete Nägel u. s. w. erzeugten, -
während die eigentliche Konsumnadel meist von außen
her importiert wird. Eine ganz aparte Branche ist selbstverständlich ¬
die in Edelmetallen. Ganz getrennt haben sich
Gold= und Silberarbeiter. Letztere sind mehr oder wesentlich