69
Der Brand im Weizen.
mehr oder minder deutliche Spur vom Schwarzwerden im Mark der Pflanze.
Dennoch treibt die Aehre manchmal in ausgezeichneter Länge hervor, und hat
Anfangs ein gesundes Ansehn, ist aber doch dünn und mager. Die Spelzen
sind grüner und nicht so länglicht, sondern oft mehr rundlicht gestaltet. Wenn
die Aehre älter wird, entdeckt man die durchscheinende schwarze Farbe; doch ist
die Spelze nicht so dünn und springt nicht so schnell auf, wie bei der Gerste,
bei welcher sie gleich nach ihrem Hervortreten berstet und den schwarzen Staub
entläßt. Wenn der Weizen lange steht, so platzt die Spelze zwar auch, so daß
Regen und Wind den schwarzen Staub wegführen und das gute Korn dann
nicht davon gefärbt wird. Wird aber, wie gewöhnlich, der Weizen früher gemähet ¬
und ist die Witterung feucht und kühl, so bleibt der Staub darin, wird
mit in die Scheure gebracht und entwickelt sich nun erst unter dem Dreschflegel.
Hierdurch wird das gesunde Getreide geschwärzt, indem sich dieser Staub besonders ¬
an den feinen Härchen, welche das Weizenkorn an der Spitze seiner
Spalte hat ansetzt. Diese äußere Färbung, wobei das innere Korn vollkommen
gesund ist und bleibt, nennt man dann den Nagel, den Nagelbrand, der Spitzbrand, ¬
le bout, und verwechselt dies am meisten mit dem Stein= oder Kornbrande. ¬
Da dieses bloß eine äußere Färbung am gesunden Korne ist, so hat
sie auf seine innere Konsistenz und Güte gar keinen Einfluß, kann jedoch das
Mehl allerdings etwas schwarz machen, wenn man das Getreide vor dem Mahlen ¬
nicht davon reinigt. Dies kann aber auf verschiedene Weise geschehen:
durch das Abwaschen, welches dem Getreide durchaus nicht schadet, wenn es
nur gleich nachher vorsichtig getrocknet wird, oder durch das Abdreschen mit
Gerstenspreu oder auch mit trocknem Lehm, von welchem aber das Korn durch
mehrmaliges Durchlaufen äuf der Staubemühle forgfältig wieder gereinigt
werden muß.
Die Krankheit selbst hat ihren Grund durchaus nicht in der Forterbung
durch Saamen, sondern erzeugt sich am meisten auf feuchten und übergeilen
Boden bei feuchter warmer Witterung. Ich sage in der Forterbung; denn
daß ein unvollkommner oder dumpfig gewordener Saamen, in sofern er schwächliche ¬
Pflanzen erzeugt, Veranlassung dazu gebe, ist allerdings nicht zu leugnen.
Aber eigentlich erblich ist die Krankheit nicht, weil der kranke Saamen ganz