§. 99. Alimentationspflicht.
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Schadensersatzklage wegen Kurkosten und entbehrten Verdienstes *),
sondern sie giebt auch den Familienmitgliedern, deren Ernährer doloser ¬
oder culposer Weise getödtet oder in höherem oder geringerem
Grade arbeitsunfähig gemacht ist, namentlich der Wittwe und den
Kindern des getödteten oder geschädigten Vaters, sofern eben derselbe
dazu im Stande war, ihnen Unterhalt zu verschaffen, also soweit
die Wirtschaftskraft desselben wirklich für sie ein wirtschaftliches Gut
war, eine Klage auf vollen Schadensersatz, insbesondere auf Kurkosten, ¬
auf Beerdigungskosten und auf Zahlung von Alimenten2).
Die Höhe der letztern bestimmt sich nach Ermessen des Richters,
nicht nach dem Conclusum vom 21. März 1804 3).
§. 99.
Verletzung der physischen Wirtschaftskraft durch Schwängerung.
Daß wir hier die Alimentationsverbindlichkeit als Verletzung
der physischen Wirtschaftskraft eines Menschen durch Schwängerung
betrachten, zeigt schon, daß die Bremische Praxis von den beiden sich
einander gegenüberstehenden Theorien, deren eine die Alimentationsverbindlichkeit ¬
unehelicher Kinder aus der Vaterschaft und deren andre
dieselben aus einem Delikt herleitet, dieser letzten huldigt.
Bremische Praxis wird in dieser Beziehung von einem ganz constanten ¬
Gewohnheitsrechte beherrscht*), so daß es sich nicht mehr
*) l. 3 D. si quadr. (9, 1). l. 13 pr. D. ad leg. Aqu. (9, 2). 1. 7
D. de his qui effud. (9, 3). O. G. E. i. S. Hennings Wwe. w. Meyer v
19. März 1832. O. G. E. i. S. Ghierenbeck Wwe. w. Menke v. 31. Oct.
1853. Desgl. i. S. Schlachter w.Schwartje v. 7. Mai 1855. Römer
a. a. O. I. S. 174.
2) Gemeinrechtliche Praxis, sich anlehnend an P. H. G. O. Art. 20.
Voet, comment. ad Pand. IX. 2. §. 11. Quistorp, rechtliche Bemerkungen ¬
101. Struben, rechtliche Bedenken IV. 72. Glück, Pand. X. 341
u. a. Für die Bremische Praxis vgl. O. G. E. v. 23. April 1849 i. S.
Müller Wwe. w. Schulz u. Müller. Desgl. v. 19. März 1832 i. S. Hennings ¬
Wwe. w. Meyer.
3) S. die in der vorigen Note angef. Präjudizien.
4) U. G. E. i. S. Eisel w. Vieregge v. 29. Juni 1858. Desgl. i. S.
Böhm V. u. Höppner Ehefr. w. Janssen v. 29. Mai 1859. O. G. E. i. S.
Großmann w. Großkopf Wwe. v. 19. Jan. 1824. Desgl. i. S. Baumann
w. Pratje v. 25. Oct. 1858 und die im weiteren Verfolge cit. Entscheidung.
Eine abweichende durch das Berliner Spruchcollegium in Bremischen Oberappellationssachen ¬
abgegebene Entscheidung v. 20. Dec. 1832 i. S. Meynerich
Henke u. Coss. ist einzig geblieben.