Metadaten : ¬Das gemeine deutsche und hansestadtbremische universelle Vermögensrecht auf Grundlage der modernen Volkswirtschaft (2,1)

§.  90.  Zinsverbindlichkeit.
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Hierher  gehören  zunächst  die  Fälle,  in  denen  eine  Geldzahlung
von  dem  Verpflichteten  nicht  rechtzeitig  effectuirt  wird,  insbesondere
folgende:
1)  wer  aus  einem  Rechtsgeschäfte  eine  fällige  Forderung  hat,
kann  unter  allen  Umständen  wegen  derselben  vom  Tage  der  Mahnung, ¬
  welche  übrigens  in  der  blosen  Uebersendung  einer  Rechnung
nicht  zu  finden  ist,  an,  Zinsen  fordern1)
2)  Fiscus  und  Minderjährige,  denen  die  Praxis  die  Kirchen
gleichstellt  2),  können  auch  ohne  Mahnung  von  jeder  fälligen  Geldschuld
Zinsen  fordern3);
3)  ebenso  ist  der  gerichtlich  verklagte  Schuldner  verbunden,  vom
Tage  der  mitgetheilten  Ladung  an  gesetzliche  Zinsen  zu  zahlen*);
4)  der  Verkäufer  kann  bei  einem  Baarkaufe  vom  Kaufpreise
Zinsen  verlangen  von  der  Zeit  der  Tradition  der  Sache  an  auch
ohne  Mahnung  5).  Eine  solche  Zinsverbindlichkeit  tritt  jedoch  nicht
ein,  wenn  der  Kaufpreis  creditirt  ist,  wie  dies  im  Handel  in  der
Regel  der  Fall  ist.  Beim  Großhandel  gilt  jene  Zinsverbindlichkeit ¬
  überall  nicht,  da  hier  entweder  auf  bestimmte  Zeit  Credit
bewilligt  wird  oder  die  strenge  Buchführung  sofortige  Zinsberechnung
eintreten  läßt6).  Uebrigens  tritt  diese  Zinspflicht  auch  bei  Expropriationen ¬
  ein?);
1)  H.  G.  B.  288,  generalisirt  durch  Brem.  Einfges.  §.  30.  1.  32,  §.  2  D.
de  usur.  (22,  1).
2)  Seuffert,  Arch.  II.  130.
3)  l.  17  §.  5.  6.  l.  43  D.  de  usur.  (22,  1).  1.  3  C.  in  quib.  caus.
(2,  41).  1.  87  §.  1  D.  de  leg.  II.  Ueber  die  Auslegung  der  beiden  letzten
Stellen  vgl.  Seuffert,  Arch.  I.  190.  Uebrigens  bezweifelt  Reyscher,
würtemberg.  Privatrecht  I.  §.  161  nicht  mit  Unrecht  die  Anwendbarkeit  dieser
Bestimmungen  auf  unsere  heutigen  Minderjährigen,  deren  Stellung  sich  wesentlich ¬
  verändert  hat.
4)  arg.  l.  20  de  R.  V.  (6,  1)  l.  31  pr.  D.  de  reb.  cred.  (12,  1)  l.  2,
et  3.  §.  1  de  usur.  (22,  1).  Lüb.  O.  A.  G.  E.  bei  Seuffert,  Arch.  II.  148.
Hamb.  Samml.  I.  5.  S.  857  (Seuffert,  Arch.  III.  17.)  O.  G.  E.  i.  S.
Oertzen  w.  Pfeiffer  u.  Seekamp  v.  22.  März  1858.
5)  1.  13.  §.  20,  21  D.  de  act.  emt.  (19,  1),  l.  5  C.  eod.  (4,  49),  1.
2  C.  de  usur.  O.  G.  E.  i.  S.  Bilz  w.  Schröder  K.  V.  v.  31.  Mai  1824.
Desgl.  i.  S.  Hueck  w.  Eylers  v.  6.  Dec.  1824.
6)  O.G.E.  i.  S.  Donop  w.  Plump  v.  6.  Oct.  1856.  O.  A.  G.  E.  i.
Brem.  S.  Delins  w.  Oetling  v.  4.  Juli  1831.  Seuffert,  Arch.  II.  283.
7)  O.  A.  G.  E.  i.  S.  Rauers  w.  Staatsanwalt  v.  19.  Novbr.  1850,
Brem.  Samml.  II.  S.  333.
            
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