Object : Deutsche Juristen-Zeitung (Jg. 22 (1917))

10.4.9. Preisaufgabe der jurist. Fakultät d. Univ. Königsberg

10.4.10. Viktor Börngen [gestorben]

10.4.11. Georg Güthe [gestorben]

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22. Jahrg. Deutsche Juristen- Zeitung. 1917 Nr. 7/8.

Demgemäß bietet die Akademie die Ausbildungs-
möglichkeit für Sekretäre von Handels-, Handwerker- und
Gewerbekämmern, für Genossenschaftsbeamte, Polizei-
beamte, Standesbeamte, Gefängnis-Inspektoren, Magistrats-
beamte, leitende Beamte kleinerer und mittlerer Kommunen,
Beamte von Grundstücksverwaltungs-Organisationen, Ver-
waltungsbeamte industrieller und kommerzieller Wirtschafts-
einheiten. Verkehrs-, Wohlfahrtsbe^mte usw.
Die Starke der Akademie solider Spezialismus sein;
sie wird ihre Lehrgänge streng den Bedürfnissen der ein-
zelnen Wirtschaftsgruppen anpassen und entweder als
ständige Dozenten öder zur Abhaltung kürzerer Vorlesungen
berufene Vertreter des Wirtschaftslebens einladen.
Die neuen Wirtschäftsaufgaben nach dem Kriege
werden auf vielen Gebieten neuartige Verwaltungen ent-
stehen lassen, für die es noch keine Vorbildungsmöglich-
keiten gibt (z. B. für Beamte von Betrieben staatssozialis-
tischer Form). Detmold wird di^e Lücke im Bildungswesen
ausfüllen und sich dauernd mit dem deutschen Wirtschafts-
leben und seinen Interessen-Organisationen im engsten
Benehmen halten, um stets die Forderungen zu erfüllen,
die eine Wirtschaftsform an ihre Beamten stellen wird.
In erster Linie sollen für die ersten Jahre nach dem
Kriege die Einrichtungen der Akademie unseren Kriegs-
helden zugute kommen, die infolge einer Kriegsbeschädigung
den Beruf Wechseln müssen oder einen solchen vor Ein-
tritt ins Heer noch nicht hatten und im Interesse der
Nationalwirtschaft zu nutzbringenden Gliedern dieser er-
zogen und schnell für einen Broterwerb vorgebildet werden
müssen. Eine besondere, mit der Akademie verbundene
Fürsorge- und Berufsberatungs-Abteilung wird den Ab-
solventen behilflich sein, schnell in einen angemessen
bezahlten Lebensberuf zu gelangen. Auch zur größeren
wirtschaftlichen Annäherung zwischen uns und unseren
Verbündeten soll die Akademie beitragen: Angehörige der
verbündeten Staaten werden gern als Studierende zuge-
lassen werden.
Es ist zu hoffen, daß das deutsche Wirtschaftsleben,
Industrie und Handel, Verbände und Genossenschaften die
Gelegenheit, sich in Detmold ihre Beamten so erziehen
zu lassen, wie sie sie gebrauchen, gern benutzen und daher
die „Fürst-Leopold-Akademie“ unterstützen, besonders
indem sie ihre Wünsche wegen der Lehrpläne äußern.
Zu jeder Auskunft ist der Unterzeichnete gern bereit.
Dr. E. R. Uderstädt,
Beauftragter des Fürstl. Lippischen Geh. Zivilkabinetts,
Hannover I, Postfach 133.

Die juristische Fakultät der Univ. Königsberg
stellt auf Grund der Geheime Justizrat Sanioschen
Stipendien-Stiftung folgende Preisaufgabe:
„Ist in den Fällen der sog. stillschweigend vereinbarten
Vergütung der §§ 612, 632, 653 und 689 BGB. die An-
fechtung wegen Irrtums aus § 119 zugelassen?“ Der
Preis beträgt 1200 M. Voraussetzung ist zweijähriges
erfolgreiches Studium an der Königsbeiger Universität.
Die Preisarbeiten sind bis 15. März 1918 in der üblichen
Form bei dem Dekan der juristischen Fakultät einzureichen.

Viktor Börngen *j\ Am 12. März ist in Jena der
Präsident des gemeinschaftlichen Thür. Oberlandesgerichts,
Viktor Börngen, Ehrendoktor der jur. Fakultät Jena, ge-
storben. Mit ihm ist ein vorbildlicher Richter ins Grab
gesunken, dessen Höchstziel stets war, in der rechtgemäßen
Lösung die gerechte zu finden. Der erste Eindruck, den
jeder empfing, der mit ihm in Berührung kam, war der
einer ungewöhnlich kraftvollen Persönlichkeit. Durch nichts
zu brechende Tatkraft stand im Vordergrund, damit ver-
einten sich scharfer Verstand und warmes Herz, ohne das
alle Rechtspflege nur Paragraphenkunst bleibt; pectus facit
jurisconsultum. Ein Richterkönig trat einem gegenüber.
So empfand man es allgemein als eine selbstverständliche
Krönung seines erfolgreichen Wirkens als Straf- und Zivil-
richter, erster Staatsanwalt, Oberlandesgerichtsrat, Schwur-
gerichtsvorsitzender und Senatspräsident, daß er 1910 zur

höchsten Richterstelle Thüringens berufen wurde. Ein
neuer Geist hielt mit ihm in das Oberlandesgericht Einzug,
der Geist einer gesunden lebenswirklichen Tatsachenjuris-
prudenz. Was für andere ein zur verdienten Ruhe ein-
ladender Gipfel gewesen Wäre, wurde ihm der Aus-
gangspunkt zu neuem Aufstieg. Entschlossen stellte er
sich an die Spitze der Reformbestrebungen in unserem
Rechtsleben, die im Verein für „Recht und Wirtschaft“ ihre
Zusammenfassung fanden. Als Gründer und 1. Vorsitzender
des Vereins hat er eine Wirksamkeit weit über Thüringens
Gaue hinaus entfaltet. Die ganze deutsche Juristenwelt
lernte den Namen Viktor Börngen kennen, als den eines
Vorkämpfers für eine zweckmäßigere, unseren veränderten
Wirtschaftsverhältnissen besser angepaßte Gestaltung unserer
Rechtseinrichtungen. Alles unbesonnene, umstürzlerische
Freirechtlertum blieb ihm dabei fern, angeborener Tat-
sachensinn und Takt hießen ihn die Lösung Stichen auf
einem richtigen Mittelweg zwischen der Scylla der über-
mäßigen Gebundenheit und der Charybdis der schranken-
losen Freiheit. Großes durfte man noch von ihm erwarten,
da zwang ihn seit Kriegsbeginn ein langes tückisches
Leiden, mit dem seine kraftvolle Natur bis zum letzten
Tage erbittert rang, das Steuer aus der Hand zu geben.
Möchten die Früchte seines Wirkens in glücklicherer
Friedenszeit einen vollen Herbst geben und seinem Namen
ein dauerndes Denkmal sichern in der Geschichte der
Bestrebungen um ein im höchsten Sinne lebenswirkliches,
gesundes, deutsches Recht.
Oberlandesgerichtsrat, Professor
Dr. Heinrich Lehmann, Jena.

Georg Güthe f. Am 7. März ist in Berlin Geh.
Justizrat und Vortr. Rat im Justizministerium Dr. Georg
Güthe aus dem Leben geschieden. Mit ihm ist einer
der Führer der deutschen juristenweit dahingegangen, ein
Mann von ausgezeichneten Charaktereigenschaften und
glänzenden Geistesgaben. Liebenswürdig im persönlichen
Verkehr, von heiterem Sinn und vornehmer Denkungsart,
voll warmer Teilnahme für seine Mitmenschen, War er ein
stets hilfsbereiter Kollege und treuer Freund. Scharfer
juristischer Verstand und unbeirrbares Gerechtigkeits-
gefühl, vielseitige gründliche Rechtskenntnisse, unermüdliche
Arbeitsfreudigkeit und Pflichttreue befähigten ihn zu aus-
gezeichneten Leistungen in Beruf und Wissenschaft, In
den Jahren 1908 bis 1912 erwarb er sich als Mitglied des
1. Zivilsenats des Kammergerichts hervorragende Verdienste
um die Rechtsprechung auf dem Gebiete des Grundbuch-
und Liegenschaftsrechts durch die verständnisvolle, den
Bedürfnissen des praktischen Lebens Rechnuiig tragende
Bearbeitung des weitaus größten Teils der in dieses Rechts-
gebiet fallenden weiteren Beschwerden. Nach Seinem
Uebertritt in das Justizministerium, das ihm im Reichs-
anzeiger v. 8. März mit Recht einen außergewöhnlich
warmen Nachruf widmete, wendete er sich mit gleichem
Erfolge gesetzgeberischen Arbeiten zu, die ihm ganz be-
sondere Befriedigung gewährten. Neben der überreich-
lichen Berufsarbeit fand Güthe noch Zeit zu umfangreicher
schriftstellerischer Betätigung. Im Jahre 1909 erschien seine
bekannte Bearbeitung des Jaeckelschen Kommentars zum
Zwangsversteigerungsgesetz, 1911 die Stark umgearbeitete
2. Aufl. seines ausgezeichneten Kommentars zur Grundbuch-
ordnung, beides Werke von bleibendem wissenschaftlichen
Wert, in dessen Anerkennung ihn die Breslauer Juristen-
fakultät zum Ehrendoktor ernannte; Er lieferte ferner für
das von Neumann herausgegebene Jahrbuch des deutschen
Rechts die Beiträge aus dem Gebiete des Liegenschafts-
und Grundbuchrechts und veröffentlichte in verschiedenen
Zeitschriften eine ganze Anzahl von Aufsätzen über grund-
buchrechtliche Fragen. Die mit dem Ausbruche des Welt-
krieges einsetzende Gesetzgebung auf dem Gebiete des
Kriegsrechts brachte Güthe eine starke Vermehrung der
Arbeitslast. Gleichwohl hat er 1914 in die Schriftleitung
der von Gruchot begründeten Zeitschrift ein, und im
Juli 1915 gab er zusammen mit Schlegelberger das die
gesamte Kriegsgesetzgebung nebst Begründung und Er-
läuterungen enthaltende „Kriegsbuch“ heraus. Diesem

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