Volltext : ¬Die Vererbung des ländlichen Grundbesitzes im Königreich Preussen (7)

VII.  Schleswig-Holstein.
260
mißt  nur  4  X  50  Ruten  =  0,59  ha  und  ist  damit  schon  mehr  als  doppelt  so  groß  wie
der  gewöhnliche  deutsche  Morgen.  Die  Länge  der  Ackerstücke  von  120  Ruten  kehrt
in  der  Elbmarsch  wieder.  Der  dortige  Morgen  ist  ein  Stück  Marschland  von  2  solchen
Ackerbeeten,  welche  bei  Glückstadt  je  1½,  zusammen  also  3,  in  den  übrigen  Elbmarschen
—  einschließlich  der  Gräben  —  3¾  Ruten  breit  gerechnet  werden.  So  ergibt  sich
ein  Flächeninhalt  von  360  und  450  □Ruten  oder  rd.  0,8  und  1  ha.  Die  schmalere  Bemessung -
  der  Ackerbeete  dürfte  mit  der  größeren  Schwere  des  Bodens  in  der  Elbmarsck
zusammenhängen.  Die  Wasserfurchen  zwischen  den  Beeten  wurden  tief  ausgekleit,
und  die  herausgeworfene  Erde  nach  der  Mitte  geworfen.  Ein  breiteres  Stück  ist  aber  nicht
zu  bewerfen.  Es  ist  anzunehmen,  daß  die  Länge  von  120  Ruten  diejenige  ist,  bei  der  eine
Entwässerung  durch  kleine  Wasserfurchen  („Piepen“)  zwischen  den  Beeten  noch  genugend
Gefälle  ergab,  so  daß  die  Entwässerung  auf  die  bequemste  Weise  ohne  Querabzugsgräben  sich
machen  ließ.  Oder  sollte  hier  ein  festes  Schema  zu  Grunde  liegen  ?*)  Das  alte  Großhundert
oder  Bruchteile  desselben  kehren  in  vielen  in  Schleswig-Holstein  üblichen  Feldmaßen  wieder:
dem  Calenberger  Morgen  (4  X  30),  dem  Morgen  von  4X  60  Ruten,  der  in  der  Marsch  des
Amts  Trittau,  bei  Schiffbeck  usw.  vorkommt,  ebenso  im  englischen  acre  (4  x  40  Ruten).
Die  Bezeichnung  „Morgen“  ist  in  der  dithmarscher  Marsch  vermutlich  erst  später  ein
geführt  worden,  2)  als  die  ältere  ihren  ursprünglichen  Sinn  verlor.  Die  ältere  Bezeichnung
war  höchst  wahrscheinlich  „Hufe“.  In  Fehmarn,  das  von  Dithmarschen  aus  besiedelt
worden  ist,  nannte  man  noch  im  19.  Jahrhundert  ein  Doppelstück  oder  auch  einen
Komplex  von  mehreren  Stücken  Ackerlandes  im  Gewanne  von  je  1½—2  Ruten  Breite:  Have
oder  Houwe.  (G.  HANSSEN,  Abh.  II,  S.  109  Anm.  1,  und  Fehmarn,  S.  120).  Die  Bezeichnung ¬
  stammt  offenbar  aus  den  Wurtdörfern  und  ist  daraus  entstanden,  daß  der  einzelne
Hufner  ursprünglich  meist  nicht  mehr  als  ein  Grundstück  von  2  Ackerbeeten  im  „Esch“,  dem
zunächst  einzigen  Gewann  zu  eigen  hatte.  Denn  man  siedelte  von  der  Geest  auf  die
Marschinseln  über,  sobald  eine  Stelle  zum  Kornbau  hoch  genug  war  und  beschränkte  den
immerhin  gefährdeten  Anbau  auf  das  geringste  Maß.  Ein  Streifen  von  mehr  als  der  funf
fachen  Größe  des  gewöhnlichen  deutschen  Morgen  (¼  ha)  genügte  aber  auch  bei  alljährlichei
Bestellung  und  bei  dem  reichen  Ertrage  des  immer  wieder  überschlickten  Bodens,  um  eine
Familie  mit  Brotkorn  zu  versorgen.  Auf  einem  größeren  Esch  maß  man  wohl  von  vorn
herein  die  Einheit  von  4  18füßigen  Ruten  Breite  doppelt  zu  (so  auf  dem  Esch  südlich  von
Harmswöhrden)
Daß  man  in  der  dithmarscher  Marsch  tatsächlich  nach  derartigen  „howen“  und  nack
Ruten  rechnete,  ergibt  sich  aus  WALDEMARS  Erdbuch.  Der  König  kaufte  im  Jahre  1217
dort  mehrere  Grundstücke,  darunter  2  houae  in  Civaengehusae  (Zennhusen),  3  houae  in
Heem  (Hemme),  dimidium  mansum  supra  Ulram,  5  houae  excepto  uno  jarde  in  Uluersum
(Wollersum  an  der  Eider),  2½  houae  et  dimidium  jarde  in  Aendebyttel  et  Metaes  (die
Metzer  Feldmark  lag  zwischen  Wollersum  und  Lunden).  1  houae  und  1  jarde  in  Hunsbytäe
et  Flette  (Flehde),  sämtlich  Ortschaften  im  Kirchspiel  Lunden.“
„Jarde“  (Gerte)  ist  nur  ein  anderer  Ausdruck  für  Rute.  Die  „Jaarde“  ist  noch  heute
in  der  tondernschen  Marsch  allgemein  im  praktischen  Gebrauch;  sie  mißt  dort  9  Ellen  :
18  Fuß.*)  W’enn  aber  howe  ein  Ackerstück  von  4  x  120,  so  bedeutet  Jard  hier  ein  solches
von  1  x  120  Ruten  oder  einem  Viertelmorgen.
Anderwärts  bezeichnet  Jard  oder  Jar  auch  den  durch  alle  Gewanne  laufenden  Anteil
des  einzelnen  Hufners  am  Dorfacker.  In  diesem  Sinne  war  das  Wort  im  östlichen  Holstein
in  Gebrauch,  und  kommt  es,  wie  RHAMM  nachgewiesen  hat,  im  ganzen  Sachsenland  mit  Ein’) -
  SWART  spricht  diese  Ansicht  im  Hinblick  auf  ostfriesische  Verhältnisse  aus.
2)  So  auch  RHAMM,  dem  jedoch  der  Grund  für  den  Wechsel  nicht  deutlich  geworden  ist.
3)  Vgl.  für  die  Ortsbestimmungen  REIMER  HANSEN  in  Zeitschr.  der  Gesellschaft  für
schlesw.-holst.-lauenb.  Geschichte,  27.  Bd.,  Kiel  1897.
*)  Dies  ist  die  alte  Rute.  1567  wurde  zu  Eiderstedt  und  in  Nordstrand  eine  neue
Rute  zu  16  Fuß  eingeführt.  Vgl.  FALCK  II,  S.  338,  Anm.  64.  Die  Angabe  in  v.  RICHTHOFENS
Altfriesischem  Wörterbuch  (1  nordfries.  Jaarde  =  10  Fuß)  trifft  nicht  zu.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer