fullscreen : ¬Die sociale Lage der Fabrikarbeiter in Mannheim und dessen nächster Umgebung

Die  Arbeitszeiten  und  die  Arbeitsformen.
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von  Sulfat  und  Rohsoda  beschäftigten  Arbeitern  solche  bis  zu  30  %  ihres
Verdienstes,  während  eine  andere  Fabrik  des  gleichen  Industriezweiges
solche  Prämien  nicht  gewährt,  weil  ihre  neueren  Einrichtungen  das
Gelingen  der  Arbeitsprozesse  in  weit  geringerem  Maaße  von  der  Sorgfalt
der  Arbeiter  abhängig  machen.  Sehr  hoch  sind  dagegen  in  einer  Säurenund ¬
  Düngerfabrik  die  gewährten  Prämien,  sie  machen  bei  einem  durchschnittlichen ¬
  Betrag  der  Löhne  von  2600  Mk.  in  der  Woche  550  Mk.
aus.  Sie  werden  theils  als  Zuschlag  zu  den  Löhnen  wöchentlich,  nach
vorher  vereinbarten  Sätzen  je  nach  Leistung  für  den  größten  Theil  der
Arbeitsverrichtungen  gewährt,  theils  sind  sie  Monatsprämien,  welche  für
bewiesene  Sorgfalt  von  der  Direktion  nach  Gutdünken  festgesetzt  werden.
Eine  große  Cellulosefabrik  gibt  für  jede  gute  Kochung  2  Mk.  Extravergütung ¬
  an  den  Meister  und  die  dabei  beschäftigten  Arbeiter.  Für  die
Meister  macht  dies  50—60  Mk.,  für  die  Vorarbeiter  20—22  Mk.  und
für  die  gewöhnlichen  Arbeiter  16  Mk.  im  Monat  aus.  Andere  Prämien
kommen  hier  nicht  vor.  —  Ganz  vereinzelt  werden  auch  noch  am  Schlusse
des  Jahres  Gratifikationen  gewährt;  dieselben  stellen  sich  ihrer  ganzen
Natur  nach  aber  nicht  als  Prämien  dar,  weil  sie  in  keinem  Zusammenhange ¬
  mit  der  Menge  und  Sorgfalt  der  einzelnen  Leistungen  stehen.
Das  Prämiensystem  ist  im  Allgemeinen  nicht  beliebt,  es  erscheint
mehr  als  ein  Nothbehelf  dort,  wo  man  die  von  den  Arbeitern  aufgewendete
Sorgfalt  während  der  Arbeit  nicht  kontroliren  kann,  wo  aber  ein  Mangel
an  Sorgfalt  großen  Schaden  verursachen  würde.  Ueber  diese  Grenze
geht  die  Gewährung  von  Prämien  nur  ganz  vereinzelt  hinaus,  nämlich
dort,  wo  Akkordarbeit  nicht  wohl  möglich  ist  und  auch  für  die  Tagarbeiten
ein  Antrieb  zu  größerem  Fleiße  geschaffen  werden  soll.  Man  verzichtet
darauf  die  im  Akkordsystem  schon  vorhandene  Anreizung  zur  Erhöhung
der  Leistungen  durch  außerdem  gewährte  Prämien  noch  zu  steigern.  Und
das  ganz  mit  Recht.  Es  würde  hierdurch  das  Bestreben  erzeugt  werden,
den  Arbeitsvollzug  mit  Rücksicht  auf  den  größtmöglichen  Prämienertrag
einzurichten.  Wo  es  angeht,  würde  man  auch  die  Ablieferung  der  gefertigten ¬
  Arbeit  hiernach  eintheilen.  Hauptsächlich  aber  kommt  in  Betracht,
daß  da,  wo  die  Prämien  namhaft  sind,  ein  Theil  derselben  auf  die  Tagoder ¬
  Akkordlöhne  derart  aufgerechnet  wird,  daß  dieselben  um  diesen  Betrag ¬
  niederer  gehalten  werden.  Hierdurch  wird  der  geringere  Arbeiter
um  so  empfindlicher  betroffen,  da  er  schon  beim  Akkordsysteme  wegen
Minderleistung  weniger  verdient,  während  der  gewandte  Arbeiter  seinen
schon  durch  Mehrleistung  gesteigerten  Verdienst,  durch  größere  Prämien
noch  mehr  erhöht  erhält.  Man  ist  aber  der  Ansicht,  daß  die  Mehrleistung
des  tüchtigen  Arbeiters  durch  den  sich  bei  der  Akkordarbeit  ergebenden
            
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