Inhaltsverzeichnis : Munk, W.: ¬Die preußische Gerichtsverfassung

Wirtschaftliche  Vorteile  der  ländlichen  Genossenschaften.
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Milchviehkontrollvereine,  welche  die  systematische  Leistungsprüfung -
  der  Milchkühe  bezwecken,  um  minderwertige  Tiere  auszuscheiden -
  und  hochwertige  Tiere  heranzuzüchten.  So  vollzieht  sich
durch  direkte  und  indirekte  Mitwirkung  der  Molkereigenossenschaften
eine  unverkennbare  Vermehrung  und  Verbesserung  der  Milchviehhaltung. -
  Allerdings  wird  bisweilen  der  Einwand  laut,  daß  die  Errichtung -
  von  Molkereigenossenschaften  dazu  verleite,  den  Kälbern  das
erforderliche  Milchquantum  zu  entziehen,  und  schädige  damit  die
Aufzucht  von  Vieh.  Ähnliche  Vorwürfe  werden  auch  bezüglich  der
Volksernährung  auf  dem  Lande  erhoben.  Wie  indes  ein  genauer
Kenner  des  Molkereifachs  urteilt,  handelt  es  sich  hier  um  Ausnahmefälle, ¬
  die  keine  Verallgemeinerung  zulassen.  ’)
Eine  sehr  anschauliche,  mitten  aus  der  Praxis  stammende  Schilderung -
  möge  zur  Erläuterung  dieser  anregenden  Wirkung  auf  die
Hebung  der  Viehzucht  dienen.  Sie  ist  umso  beachtenswerter,  als  sie
die  Verhältnisse  einer  früher  wirtschaftlich  und  kulturell  wenig  voralso -
  solcher
geschrittenen  Gemeinde  in  Masuren  kennzeichnet  biete, -
  in  denen  genossenschaftliche  Hilfe  am  ehesten  not  tut.  Es  heißt
dort
„Die  Bauern,  die  zur  Milchlieferung  fünf  Kühe  gezeichnet  und
in  Wirklichkeit  auch  nicht  mehr  gehabt,  hatten  nach  4—5  Jahren
schon  10—15  Kühe  im  Stalle  stehen  und  liefern  heute  das  Doppelte,
zum  Teil  sogar  das  Dreifache  an  Milch  wie  im  Anfang.  Nun  mag
mancher  sich  die  Frage  vorlegen,  wie  sieht  es  denn  mit  der  Zucht
aus?  und  da  kann  ich  gleich  erklären,  daß  die  Viehzucht  sich  noch
in  einem  viel  größeren  Umfange  entwickelt  hat.
Meine  Erfahrungen,  die  ich  hier  gemacht  habe,  gehen  dahin,  daß
unser  masurischer  Bauer  mit  der  Milchlieferung  überhaupt  erst  anfängt, -
  zu  denken  und  zu  rechnen.  Bis  dahin  wurde  immer  so  weiter
gewurstelt,  der  Bauer  war  froh,  wenn  er  Zinsen,  Abgaben  und  Löhne
etc.  durch  den  Körnerbau  aufbringen  konnte  und  für  sich  und  seine
Familie  das  Auskommen  hatte.  Heute  gilt  jeder  Milchlieferant
in  den  Augen  der  Kaufleute,  Handwerker  und  der  nichtliefernden -
  Berufsgenossen  als  ein  intensiv  wirtschaftender -
  Landwirt  und  hat  bei  jedem  Geschäftsfreund  ohne
weiteres  Kredit.
1)  Molkerciinstruktor  Schwarz-Bonn:  Molkereigenossenschaften  und  Viehzucht, -
  Bonn  1906,  S.  40.
2)  Molkereiverwalter  Bünsow-Rheine:  „Welche  Wirkung  hat  die  hiesige
Molkereigenossenschaft  auf  die  Vichzucht  in  ihrem  Bezirk  ausgeübt?“  Deutsche
landwirtschaftliche  Genossenschaftspresse  1906,  S.  427  ff.
            
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