Metadaten : Lehrbuch des französischen Civilrechtes in steter Vergleichung mit dem römischen Civilrecht (100)

Vorwort.
XXVII
spiegelte,  und  mit  Thränen  im  Auge  mußte  er  oft  aufstehen, ¬
  um  durch  einen  raschen  Gang  im  Zimmer  erst
wieder  Herr  seiner  Gefühle  zu  werden.  Seine  sonstigen
Erholungen  bestanden  in  der  Lectüre  der  antiken  Classiker, ¬
  doch  las  er  auch  viel  in  der  neueren  und  neuesten
Literatur,  und  in  den  späteren  Jahren  beschäftigte  er
sich  eifrig  mit  dem  Studium  der  Kirchenväter,  wobei
er  gewohnt  war,  stets  Notizen  für  die  eigene  Erinnerung ¬
  sich  aufzuschreiben.  Sehr  viel  las  er  in  der  Bibel,
und  diese  lag  immer  auf  seinem  Schreibtische,  so  wie
überhaupt  tiefe  Religiosität  mit  einem  solchen  Geiste
nicht  anders,  als  innig  verbunden  seyn  konnte.  Der
Grundcharakter  seines  Wesens  war  geniale  Großartigkeit
in  Allem;  daher  sein  entschlossener  Muth  in  Gefahren,
den  er  in  Stürmen,  welche  früherhin  der  Akademie
drohten,  so  oft  bewährt  hat,  daher  seine  feste  Entschlossenheit, ¬
  daher  sein  Unwille,  ja  sein  Grimm  über  alles
Gemeine,  zumal  wo  er  Falschheit  oder  Intrigue  zu  entdecken ¬
  glaubte,  der  sich  dann  im  Gespräche  durch  die
kräftigsten,  oft  an  Shakespear'schen  Witz  erinnernden  Ausdrücke ¬
  Luft  machte;  daher  aber  auch  sein  edles  Vergessen
empfangner  Kränkungen,  seine  hülfreiche  Bereitwilligkeit
für  den  Bereuenden,  daher  endlich  die  Weichheit  seines
Herzens,  und  die  Macht  seines  Gefühls,  seiner  umfassenden ¬
  Liebe,  seiner  Humanität.  So  war  Thibaut,
er,  die  imponirendste  genialste  Persönlichkeit  in  Allem!
Und  von  dem,  was  er  geistig  war,  mag  auch
dies  Buch  ein  Zeugniß  reden!  So  gehe  es  denn  hinaus ¬
  in  die  Welt,  es  sey  den  Bewunderern  des  großen
Todten  ein  neues  Merkmal  seiner  Kraft,  den  Verehrern
            
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