Die Vertheilnng der Dosfriichte nach Auflösung der Ehe. 273
Quare enim, si maritus prope partum oves doti acceperit,
item proximas tonsurae, post partum et tonsas oves pro-
tinus divortio facto nihil reddat? Nam et hic fructus
toto tempore quo curantur, non quo percipiuntur,52) ra-
tionem accipere debemus.
Der Eingangssatz bezieht sich auf das im Vorausgehenden
an Grundstücksfrüchten entwickelte Prinzip, daß dieselben pro-
portional der Dotalzeit getheilt werden. Wie in L. 7 § 1 der
Fall gesetzt war52'»), daß der Mann nahe der Weinlese den
Weinberg zur Dos erhält, und gleich nach der Weinlese die
Scheidung eintritt, wo es evident ist, daß der Mann nicht die
ganze Frucht behalten kann (alioquin si coactis vindemiis
altera die divortium intercedat, fructus integros retinebit),
so ist in unserer Stelle der Fall angenommen, daß der Mann
Thiere nahe dem Wurf oder der Schur zur Dos empfängt
und gleich nach Wurf und Schur die Scheidung erfolgt. Die
Frage, ob er solchenfalls nihil reddat, wird stillschweigend
verneint. Die Verneinung liegt (auch abgesehen von der
Fassung der Frage) einmal in dem Hinweis auf das für die
Grundstücke geltende Prinzip, das auch für die Thierfrüchte
gelte. Und sie liegt ferner in der Forderung, nicht die Per-
zeptionszeit, sondern die ganze Vorbereitungszeit in Rechnung
zu bringen, was im gegebenen Fall zur Folge hat, daß der
Mann von den Einkünften den größeren Theil herausgeben
muß. Wie man sieht, handelt die Stelle ausschließlich von der
52) tu schaltet Mommsen hier ein. Vangerow I S. 410
schaltet nichts ein, liest aber fructuum statt fructus.
52a) den schon Scaevola erledigt hatte nach L. 7 pr. eod. —
nam si mulier pridie vindemias doti dedit, mox sublatis a marito vin-
demiis divortit, non putat ei undecim dumtaxat mensum fructus restitui —.
Oben S. 240 und Anm. 25.
XXXIII. N. F. XXI.
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