Inhaltsverzeichnis : Hanauische Berichte von Religions-Sachen ([Bd 1] = Th. 1/8 (1750))

Num.  1.
95
zeugte  nur  mit  wenigem  seine  Freude  uͤber  die
Barmhertzigkeit,  die  ihr  widerfahren  waͤre,  priese
den  HERRN  daruͤber  und  empfahle  sie  seiner
Gnade  und  Bewahrung,  reisete  auch  noch  disen
Sonst  schiene  es  gegen  den
Tag  wieder  ab.
Abend,  als  ob  sich  die  Hitze  ein  wenig  gelegt
hatte  und  einige  Besserung  folgen  wuͤrde.
Die  Nacht  darauf  war  sie  wiederum  sehr  kranck
und  konnte  nicht  ruhen,  erinnerte  sich  aber  allerhand -
  schöner  Verse,  die  von  dem  Blut  und
Wunden  JESU  handelten.
Mit  anbrechendem  10den  Jul.  ward  es  uͤberaus -
  schlecht  mit  ihr,  sie  konnte  auch  den  gantzen
Tag  über,  für  grosser  Schwachheit,  sehr  wenig
sprechen.
Jn  der  Nacht  zwischen  dem  10den  und  11ten
liesse  ihr  der  HErr  etwas  wiederfahren,  was  der
mehreste  Theil  seiner  begnadigten  Suͤnder  eipfinden -
  muß.  Er  entziehet  ihnen  nemlich  das
Gefuhl  seiner  Gegenwart  und  den  empfindlichen
Genuß  seiner  Gnade  auf  einige  Zeit,  damit  sie
sich  dessen  nicht  als  eines  Eigenthums  anmassen,
nicht  ein  Recht  daraus  machen,  noch  dabey  steben -
  bleiben  moͤgen,  sondern  das,  was  ihnen  widerfahren, -
  als  pure  Gnade  und  Erbarmung  ansehen, -
  der  sie  nicht  wuͤrdig  gewesen,  ihre  Haupt¬Sache -
  aber  hinfuͤro  daraus  machen  sollen,  sich
aus  einer  Stunde  in  die  andere,  als  arme  Sunder -
  und  Würmlein,  in  die  einmahl  geoͤffnete
Wunden  JEsu  glaubig  zu  verbergen  und  sich
darinn  gantz  verschliessen  zu  lassen,  weil  sie  darinn -

G  4
Vonade
Staatsbibliothek
Max-Planck-Institut  für
zu  Berlin
            
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