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A. L. R. II. Tit. 2 §§ 50—52, 54, 56, 57. Nr. 1.
Bereits in den älteren deutschen Rechtsquellen werden die in einer
putativen Ehe erzeugten Kinder auch in Betreff der Erbfolge den ehelichen ¬
völlig gleichgestellt.
Göschen, die Goslarschen Statuten (Berlin, 1840) S. 133, 134:
Es ist indeß nicht genug, daß eheliche Verbindung und Geburt zu
rechter Zeit zusammentreffen: es dürfen auch der Ehe keine vernichtenden ¬
Ehehindernisse entgegenstehen. Der Sachsenspiegel bezeichnet
als solche das Verbrechen des Ehebruchs, der Nothzucht und die
Verwandtschaft. Die Statuten heben nur die letztere und bereits
vorhandene andere Ehe besonders hervor. Ob dies geschieht, weil
das canonische Recht den Ehebruch und die Nothzucht, oder allgemeiner ¬
gesprochen, die Entführung als Ehehindernisse nicht kennt, ist
nicht ersichtlich.
Das Vorhandensein von Ehehindernissen verhindert jedoch nicht
durchaus, daß die Kinder als eheliche betrachtet werden, sondern
nur dann, wenn die Eltern von den Ehehindernissen Wissenschaft
hatten.') Diese Wissenschaft haben sie unbezweifelt, sobald sie mit
geistlichem Gerichte geschieden, oder des Ehehindernisses doch schon
überführt oder auch nur desselben beschuldigt „bedraghen" sind;
denn bereits von der Beschuldigung an müssen sie auf Ueberführung
und Scheidung gefaßt sein und dürfen als Ehegatten nicht mehr mit
einander leben; daher werden alle Kinder, welche sie von dem Augenblick ¬
der Anschuldigung an zeugen „telet," als uneheliche geboren,
sobald nur hinterdrein auch wirklich die Scheidung ausgesprochen
worden ist. Auf diese Weise scheint die Stelle des goslarischen
heit des Hindernisses nur erheuchelt sey (cum illi taliter contrahendo non
expertes scientiae, vel saltem affectatores ignorantiae videantur. c. 3 § 1 X.
de cland. desp.).
Vergl. v. Buchholtz, jurist. Abhandl. aus dem Gebiete des heut. Röm.
R. Nr. XIII. v. Holzschuher, Theorie und Casuist. (3. Aufl.) S. 657 f.
Daß übrigens schon zur röm. Kaiserzeit die mildere Auffassung sich geltend
machte, beweist Marcian. l. 57 § 1 D. de rit. nupt. (23, 2): In libro
secundo de adulteriis Papiniani Marcianus notat: Divus Marcns et Lucius
Imperatores Flaviae Tertullae per Mensorem libertum ita rescripserunt:
Movemur et temporis diuturnitate, quo ignara juris in matrimonio avunculi ¬
tui fuisti, et quod ab avia tua collocata es, et numero liberorum
vestrorum; idcircoque quum haec omnia in unum concurrunt, confirmamus ¬
statum liberorum vestrorum in eo matrimonio quaesitorum, quod
ante annos quadraginta confractum est, perinde atque si legitime concepti
fuissent.
„Nimt en en wif oder iuncvrowen der he nicht hebben ne mot van sibbe
oder van vadderscap oder van anderen dinghon, alle ere kindere de se
telet er der tid dat se ghescheden werdet oder mit gheystlikem gerichte
se des bedraghen werdet oder vorwunnen alse recht is, de sin vulkomen
an al erem rechte. De se aver seder telet alse se des vorwunnen sint,
de sin alle ouecht."