Metadaten : Frankenstein, Kuno: ¬Der Arbeiterschutz

Der  Arbeiterhilfsschutz.
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Arbeitslosen  Beschäftigung  zu  verschaffen,  damit  sie  gerade  zu  leben
haben,  oder  sie  wirtschaftlich  so  zu  stärken,  dass  sie  gegen  die  elementarsten ¬
  Unglücksfälle,  sowie  gegen  die  Ausbeutung  oder  Vergewaltigung
einigermassen  geschützt  sind.  Sondern  der  soziale  Friede  kann  erst
dann  als  hergestellt  angesehen  werden,  wenn  der  Arbeiterstand  sich
in  einer  Lage  befindet,  die  ihm  gestattet,  an  den  Fortschritten,  welche
die  Lebenshaltung  der  modernen  Menschheit  überhaupt  gemacht  hat.
auch  seinerseits  entsprechend  teilzunehmen.  Dazu  freilich  giebt  es
sittliche  Voraussetzungen  und  zwar  für  beide  der  jetzt
noch  streitenden  Parteien.  Auf  Seiten  der  Arbeiter  ist  eine  Gesinnung ¬
  nötig,  welche  nicht  im  sinnlichen  Genusse  das  Glück  sucht  und
darum  jeden  beneidet,  dem  mehr  davon  zu  Gebote  steht.  Wo  solche
Wertschätzung  herrscht,  da  werden  mit  jeder  Erfüllung  irgend  eines
Wunsches  weitere  Wünsche  rege  gemacht.  Diese  Begehrlichkeit,  die
von  Agitatoren  künstlich  geweckt  wird,  an  sich  etwas  Unmenschliches
und  Tierisches,  eine  Begehrlichkeit,  für  die  es  Grenzen  und  Schranken
gar  nicht  giebt  —,  ist  ein  Hindernis  für  die  Verständigung  über  die
wahren  Bedürfnisse  des  Standes  und  die  praktischen  Ziele  des  sozialen
Handelns.  Und  das  um  so  mehr,  als  sie  zumeist  mit  ganz  falschen  Voraussetzungen ¬
  über  die  Zustände  bei  den  „Reichen“  verbunden  ist,  als
ob  nämlich  jeder,  der  nicht  mit  der  Handarbeit  sich  jeden  Genuls  gestatten ¬
  könne,  niemals  Sorgen  habe,  niemals  Selbstverleugnung  zu  üben
habe  und  dem  Glücke  geradezu  im  Schofse  sitze.  Ein  lebendigerer  Verkehr ¬
  der  Stände  untereinander  oder  auch  nur  eine  Vermittelung  zwischen
den  verschiedenen  Klassen,  wie  sie  der  Pastor,  der  Arzt,  der  Lehrer.
manche  Beamte  u.  s.  w.  zu  üben  haben,  kann  hierin  manches  bessern.
Aber  freilich  giebt  es  auch  sittliche  Voraussetzungen  auf  der  andern
Seite.  Nicht  minder  als  jene  ungesunde  Begehrlichkeit  zeigt  sich  als
Hindernis  für  die  Verständigung  über  die  sozialen  Ziele  die  unerfreundliche ¬
  Härte,  mit  der  von  oben  her  jeder  Wunsch  nach  Verbesserung
ihrer  Lage  den  Arbeitern  als  Begehrlichkeit  ausgelegt  wird.  Es  ist
dringend  zu  wünschen,  dafs  der  christlich-soziale  Geist  in  den  höheren
Ständen  eine  andere  Gesinnung  gegen  die  untern  erzeugt.  Man  redet
oft  gegen  die  Verwöhnung  derselben,  und  das  hat  dann  einen  guten
und  rechten  Klang.  Aber  ist  es  nicht  oft  unbewufst  das  egoistische
Interesse,  das  diese  Worte  und  diese  Gesinnung  eingiebt,  anstatt  des
Interesses  an  dem  wahren  Wohl  der  Untergebenen?  Es  läfst  sich  ganz
wohl  auch  mit  dem  sittlichen  Wohlergehen  der  Leute,  mit  der  Befestigung ¬
  in  der  Zufriedenheit  und  Geduld,  kurz  mit  einer  Vertiefung  der
christlichen,  der  himmlischen  Gesinnung  vereinigen  eine  Fürsorge  nicht
nur  für  die  Verbesserung,  sondern  auch  für  die  Verschönerung  ihrer
Und  was  die  Begehrlichkeit  überhaupt  betrifft,  so
äulseren  Lage.
dürfte  es  wohl  ausgemacht  sein,  dass  jene  betrübenden  Erfahrungen  von
            
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