Muntgewalt und Ehebewilligung.
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Der Mer besprochene Fall ist mit der Modifikation, daß
königliche und väterliche Munt zusammenfielen, gerade im
karolingischen Königshause l) praktisch geworden. Judith, die
Tochter Karls des Kahlen und Witwe des englischen Königs
Ethelwulf, stand (als Witwe) unter dem Schutze der Kirche
und im Mundium des Königs, ihres Yaters2), als sie sich
vom Grafen Balduin von Flandern entführen ließ.3) Dieses
Beispiel lehrt dreierlei: 1. Daß auch die Witwen, selbst die
des Königshauses, noch regelmäßig unter der Munt standen4),
x) Dieses lebte bekanntlich nach ribuarischem Stammesrechte:
ordinatio imperii (817), c. 16 (Capit. I, 273); Ficker, Die Heimat der
Lex Ribuaria (MIÖG., Erg.-Bd. V, 52 ff.) 58; S d r a 1 e k, Hinkmars von Rheims
kanonistisches Gutachten über die Ehescheidung des Königs Lothar II.
(Freiburg i.B. 1881) 104 * *. — *) Hincmari annal. Bertin. a. 862 (MG. 88.1,
856): Sub tuitione paterna et regia atque episcopali custodia servaba-
tur. Witwen und Waisen standen eben im Schutze (mundeburdium)
des Königs (capit, missorum specialia [802], c. 18 [Capit. I, 101], cap.
a misso cognita facta [803—13], c. 1 [Capit. 1,146], capit, francica, c. 6
[Capit. I, 214]) und des Bischofs (syn. Franconofurtensis, c. 40 [Capit. I,
77]. — 3) Hludowici, Karoli et Hlotharii II. conventus apud Saponarias
(862), c. 5 (Capit. II, 160): Filiam nostram Judith viduam secundum
leges divinas et mundanas sub tuitione ecclesiastica et regio munde-
burde constitutam Balduinus sibi furatus est in uxorem. Laboulaye
188; Esmein, La juridiction de l'£glise sur le mariage en occident
(Nouv. revue hist, de dr. fr. et 4tr., XIV, 1890, 172ss.) 190s.; die Er-
wähnung des Mundiums ist nach all dem Gesagten daher nicht bloß
ungenaue Redeweise, wie Opet (MIÖG., Erg.-Bd. III, 14) annimmt. —
*) Für die Prinzessinnen des karolingischen Hauses ergibt sich das gleiche
aus der divisio regnorum (806), c. 17 (Capit. 1,129); nur gestand hier
Karl der Große seinen Töchtern freie Wahl zu, welchen ihrer Brüder sie
sich zum Vormund erwählen wollten (Laboulaye 187). — Der Königin,
namentlich als Witwe, gelang es wohl, wenn ihr Vater nicht mehr
lebte, frühzeitig, sich von der Geschlechtsmunt zu befreien (Bickel
in seiner Besprechung von Hubrichs Wahl- und Erbkönigtum zur Mero-
wingerzeit [Göttingische Gelehrte Anzeigen 1889, 944 ff.] 956) ; sie trat
dann auch als Verloberin ihrer Töchter auf: so verheiratete Chlodo-
wechs Witwe (nach salischem R.) Chrotildis .ihre gleichnamige Tochter
an den Gotenkönig Amalricus (Vita 8. Chrothildis, c. 9 [MG. 88. Rer. Mer.
II, 345; Bouquet, Recueil des historiens des Gaules et de la France
III, Paris 1741, 399], Opet III, 9; Brissaud 500); ebenso wirbt Karl
der Kahle bei der Königin-Witwe Teutberga um Richilde (Chroniques
de 8. Denis [Bouquet VII, 132]; Opet III, 9). Übrigens trifft
das von Hübner (47) geäußerte Bedenken, daß derartigen, jeder