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v. Mangoldt: Die Städtische Bodenfrage.
Kaufwerte des bebauten wie des unbebauten Bodens in den aufblühenden
Städten Deutschlands in den letzten Jahrzehnten an unsern Augen
vorüberziehen lassen. Wohin wir auch blicken, fast in allen diesen Orten,
in großen wie in kleinen, ein machtvolles Aufsteigen. Zwar zeigen sich
innerhalb längerer Perioden in der Regel auch Rückschläge; namentlich
die 70er Krise macht einen Einschnitt, und das ganze Aufsteigen scheint,
wenn man längere Zeiten ins Auge faßt, mehr die Gestalt wellenförmig
aufsteigender Terrassen als die eines ununterbrochen ansteigenden Bergrückens ¬
zu haben. Aber im allgemeinen ist die Linie der Entwicklung
doch eine stark aufsteigende, sowohl bei dem bebauten wie bei dem
unbebauten
) Boden, darüber kann kein Zweifel sein.
Natürlich muß diese Entwicklung auf große Gewinne für die glücklichen ¬
Besitzer des Bodens hinwirken, aber diese Gewinnaussichten
werden noch verstärkt durch einen andern Umstand, auf den bisher zu
wenig geachtet worden ist. In den Zeiten ungünstiger, verlustbringender
Preise ist nämlich anscheinend trotz vermutlichen starken Anschwellens
der Zwangsversteigerungen die Zahl der Umsätze sehr viel kleiner als
umgekehrt in den Zeiten hoher, gewinnbringender Preise. Es wäre
sehr zu wünschen, daß bald einmal auf diese recht schwierige Kombination ¬
zwischen Preisentwicklung und Umsatzhäufigkeit unter dem
Gesichtspunkte von Gewinn und Verlust für die Bodenbesitzer näher
eingegangen würde. Wir müssen uns hier damit begnügen, zu wiederholen, ¬
daß unsres Erachtens durch diese Gestaltung der Umsatzhäufigkeit
die Gewinnchancen der Grundstücksbesitzer erheblich vermehrt werden.
Allerdings darf man andrerseits Preisdifferenzen zugunsten der
Besitzer nicht ohne weiteres und ohne jeden Abzug als Gewinn dieser
buchen. Bei unbebauten Grundstücken spielt hier — wenigstens privatwirtschaftlich ¬
— die Frage, wieviel der Besitzer während der Zeit
seines Besitzes an Zinsen und Zinseszinsen zugesetzt hat, eine große
Rolle; und bei bebauten drängt sich die Erwägung auf, ob die Kaufwertsteigerung ¬
des Bodens nicht vielleicht öfters die Amortisation des
*) Nach Abschluß dieser Untersuchungen wird uns von befreundeter Seite
bemerkt, daß für die Kaufwertentwicklung des unbebauten Bodens die wellenförmige ¬
Terrassierung früher wohl zutreffe, daß aber neuerdings infolge des
Eingreifens der großen Banken in die Terrainunternehmung und Bodenspekulation ¬
ein Fallen der Preise überhaupt nicht mehr vorkomme, sondern statt
dessen nur noch ein Stillstehen, eine Stagnation der Preise vor dem neuen
Aufstiege. Dieser Einwand dürfte sich nun allerdings wohl nur für eine Anzahl ¬
großer Städte erheben lassen und bedarf auch für diese natürlich noch
eingehender Prüfung. Immerhin erscheint er nicht ganz unbeachtlich, und deswegen ¬
wollten wir ihn hier wenigstens erwähnen, wenn wir uns auch auf eine
nähere Erörterung nicht mehr einlassen können.