§. 30. Der privilegirte allgemeine oder persönliche Gerichtsstand. 79
von Geistlichen(*), Militärs(8) und academischen Bürgern(*) ¬
gilt, während die Exemtion der fremden Gesandten sammt
deren Gefolge von der Gerichtsbarkeit des Staats, bei welchem sie
(10)
accreditirt sind, auf einem privilegium fori nicht beruht
Particularrechtlich giebt es eine größere Zahl von Personen mit
befreitem Gerichtsstande
(1), und werden dieselben, wenn sie ihr
privilegirtes forum bei einem Obergerichte haben, als schriftsäßige ¬
Personen bezeichnet.
B. Die außerordentlichen Gerichtsstände.
§. 31.
Der persönliche Gerichtsstand aus Einheit des Klage-Grundes.
Persönlichen Gerichtsstand aus Einheit des Klagegrundes ¬
(forum continentiae causarum ex identitate -
personali) nennt man den Gerichtsstand, welcher zu
Gunsten eines Klägers, der mehrere Personen in der Form Einer
7) Anders nach römischem (nov. 123 c. 8 u. c. 22; nov. 79) u. canonischem ¬
Rechte (cap. 17. X. de judic. (2. 1); cap. 9. X. de foro compet.
(2. 2), nach welchem Geistliche auf das privilegium fori nicht verzichten konnten
(cap. 12 u. cap. 18. X. de foro comp. (2. 2); u. ebenso nach älterem deutschem ¬
Rechte (Auth. Statuimus im: Cod. de episcop. et clericis (1. 3)
const. Frid. II. a. 1220. §. 5; Schwabensp. (Gengler) cap. LXXVII).—
Allein es ist dieses Privilegium nicht bloß in der Mehrzahl der deutschen Particulargesetzgebungen ¬
abgeschafft (Oesterr. Concordat, Art. 13; Richter
Kirchenrecht, §. 193 Note 12), sondern auch als gemeines Recht per desuetudinem ¬
abrogirt worden. Linde, Lehrb. §. 97; Mejer, Institut. des Kirchenrechts ¬
(2. Aufl.), S. 582 a. E.; Richter, Kirchenr. §. 193; Wetzell, Syst.
S. 306 a, E., 307. — Hiergegen kann man sich so wenig auf den I. R. A.
§. 164. (wie z. B. Österloh, Lehrb. §. 78 u. Note 3), wie auf die Wahlcapitulat. ¬
v. 1792, Art. XIV. §§. 4. 5. 6 berufen.
8) Die entgegengesetzte Ansicht von Heffter, Syst. §. 154, Martin,
Vorl. I. S. 324 u. A. läßt sich weder aus dem römischen Rechte (const. 18
r. C. de re militari (12. 35) und Bethmann=Hollweg, Handb. I.
S. 94flg.), noch aus dem deutschen (Reuter=Bestall. v. J. 1570, Art. 39.
40. 128. 135; Wetzell, Syst. S. 395 flg.) fur das heutige gemeine Recht
begründen.
Durch K. Friedr. I. war diesen freilich mit Bezug auf Bologna
ein privilegirter Gerichtsstand „coram domino, vel magistro suo, vel ipsius
civitatis episcopo“ ertheilt worden. Auth. Habita in Cod. ne filius pro
patre (4. 13). — Tancred, ord. jud. P. 2. tit. 1. §. 3; — u. Wetzell,
Syst S. 392 flg.
10) Bayer, Vortr. S. 221. — Dageg. Linde, Lehrb. §. 97; Schmid,
Handb. §. 52; Francke, der gem. u. schlesw.-holst. Proc. I. §. 61.
11) Heimbach, sächs. Proc. §. 22; Francke, der gem. u. schlesw.=holst.
Proc. §§. 61. 62. — Lippesch. Ges. z. Verbess. d. Rechtspfl. §. 2.