Feuerbach.
verständigen Entschluß fassen wollte, die lebendige Quelle selbst zur
Mühle herzuleiten."
Die Zeit des Ansbacher Aufenthalts, in welcher aller diese großen
Arbeiten entstanden, ist auch sonst von Studien für eine „Weltgeschichte
des Rechts", welche Feuerbach im Sinne trug, von vielen anderen
geistigen Bestrebungen erfüllt, — von Reisen, wie die große nach Paris
1821), deren Resultate in dem zweiten Bande des eben erwähnten
Werkes niedergelegt sind, und nach Carlsbad, wo er mit Tiedge, Elise
von der Recke und der Herzogin von Curland in innige Beziehungen
trat, die ihn auch wiederholt nach Löbichau, dem Sitz der letzteren,
brachten, unterbrochen. Auch an schweren häuslichen Leiden und Prüsungen ¬
fehlte es nicht, und viel früher, als die Jahre es mit sich zu
dringen pflegen, kehrte Siechthum bei ihm ein, welches ihm die letzte
Lebenszeit verbitterte. Am 3. April 1829 sank er im Gerichtshofe bei
voller Versammlung von seinem Präsidentenstuhle herab, erholte sich
zwar wieder und konnte schon im Mai eine Reise nach Holland, und
dann nach Speyer, wo er seinen Sohn Anselm besuchte, machen; indeß
scheint er seitdem nie wieder vollständig hergestellt worden zu sein. Im
Marz 1833 schreibt er seiner Schwester in Frankfurt, der er seinen
Besuch ankündigt: „Obgleich mit Bleistift, kann ich doch nur mit großer
Muhe meine Hand zum Schreiben gebrauchen. Alles, was ich sonst von
Briefen zu schreiben habe, pflege ich einem Schreiber zu dictiren. —
Eigentliche Geistesarbeiten, wozu man die Feder braucht, kann ich gar
nicht mehr verrichten, bin also, wie Du mich kennst, schon ein halbtödter ¬
Mann.“ Die Reise, welche in diesem Brief angekündigt ist, war
seine letzte; er gelangte noch nach Frankfurt, aber auf einer Spazierfährt ¬
traf ihn ein neuer Schlaganfall. Er starb am 29. Mai 1833.
Die thatkräftige, gegen sich wie gegen Andere strenge Art des
Mannes, seine große geistige Begabung, seine wissenschaftliche Stellung
und Begeisterung für alles Große und Schöne hatten dem Leben, das
hier zu Ende ging, einen reichen Inhalt, — eine erreignißvolle Zeit,
wechselvolle, mitunter auch bizarre Verhältnisse hatten ihm einen bedeutenden ¬
Hintergrund gegeben. Wer dieses Leben einst beschreibt, wird
einen werthvollen Beitrag zur Geschichte deutscher Zustände am Ende
des vorigen und im ersten Viertel des gegenwärtigen Jahrhunderts
liefern und dafür ein kostbares Material in F.s von seinem Sohn Ludwig ¬
veröffentlichtem Briefwechsel finden. Diese Aufgabe war vorliegenden ¬
Blättern nicht gestellt; sie sollten eine literar-historische Skizze bieten
und haben ihre Bestimmung erfüllt, wenn sie das schriftstellerische und
praktische Wirken des Begründers einer neuen Strafrechtstheorie, des
Verfassers eines epochemachenden Gesetzes darstellen — des Mannes,
welcher unbedenklich genannt werden wird, so oft man zu den Namen
Schwarzenbergs und Carpzows einen dritten sucht.