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o Substitution personenbezogener (unter Umständen auch auf Kollektive gerichteter)
Moralisierungen durch metamoralische Ethikdiskurse (LUHMANN o.J.: 9);
weitgehende Abkoppelung der Koordinationen von den gemeinsamen Grundüberzeugungen -
der Akteure; Beschränkung auf wechselseitiges Verstehen und Verschränken
divergierender Interessen: vom "koordinierten Dissens" (MILLER 1987) zum "spezifischen
Interessenkonsens" (alias "Gewinner-Gewinner-Strategie"; SCHIMANK 1990); schließlich
auch noch
Aufgeben kontrafaktischer Erwartungen zugunsten von purer Anschlußrationalität (d.h.
ego wartet ab, was alter tut, und orientiert sich an dessen tatsächlichem Verhalten;
LUHMANN 1978: 65-67)2.
Die je spezifischen Stärken und Schwächen dieser funktionalen Aquivalente von Moral sollen
erst in späteren Abschnitten (vor allem in den Teilen 1.3 und 2.1) angesprochen werden. Hier
ist nur noch zu begründen, warum einige häufig genannten Handlungstypen (vgl. z.B.
DÖBERT 1989) und Koordinierungsweisen (vgl. SCHIMANK 1990) in unserer Liste fehlen.
Das mag im Falle von nicht durch die bewußten Intentionen der Akteure gesteuertem,
sondern traditionsgeleitetem oder affektbestimmtem sozialen Handeln bzw. Verhalten ohne
weiteres einleuchten, denn wir haben uns ja nur nach (im strengen Sinne) rationalen, d.h.
durch die Akteure begründeten bzw. begründbaren Alternativen moralischer Handlungskoordination -
umgesehen. Weniger plausibel erscheint dagegen vielleicht die Ausklammerung
strategischen Handelns und mediengeleiteten Verhaltens, die nach HABERMAS (1981, 1983,
1986) per definitionem als Gegenpole (kommunikativen - verständigungsorientierten -konsensgerichteten) -
moralischen Handelns anzusehen sind. Demgegenüber nennen wir
"strategisch“ alle Handlungen, die unter Berücksichtigung erwartbarer Reaktionen von
Interaktionspartnern (die nicht notwendig Antagonisten zu sein brauchen) auf eine
erfolgreiche, d.h. im weitesten Sinne effiziente (wirksame) und effektive (rentable)
Realisierung eigener Präferenzen zielen. Moralische Rationalität ist dann kein Gegenstück,
sondern nur ein Spezialfall der strategischen Rationalität, in dem jene Maßstäbe präferiert,
zumindest respektiert werden, von deren normativer Richtigkeit die Akteure persönlich
überzeugt sind und deren Erfüllung sie als achtungsvermittelnd betrachten. Das bedeutet:
(Strategische) Erfolgsorientierung kann zwar, muß aber nicht mit Moral kollidieren; auch
moralisch gebotene Zielsetzungen können Kriterien erfolgsgerichteten Handelns abgeben
(hierher gehören Max WEBERs Konzepte der Wahlrationalität sowie der Verantwortungsethik;
vgl. DÖBERT 1989). Wir plädieren also dafür, nicht nur HABERMAS' Restriktion des
(Kommunikations- und) Moralkonzepts auf Konsensorientierung fallen zu lassen, sondern
auch seine Verengung des Strategiebegriffs auf amoralische bzw. "unmoralische" Intentionen
zu revidieren. Sein Begriff des mediengeleiteten Verhaltens, bei dem im Rahmen einer
bestimmten generellen Interessenorientierung spezielle Zwecke durch verfügbare Mittel
bestimmt werden (HABERMAS 1986: 388), dagegen scheint eine echte Alternative zum
moralischen Handeln zu betreffen: Er fällt unter die Kategorie der Anschlußrationalität und
deckt hier eben jenen Bereich ab, in dem symbolisch generalisierte Medien interessen- bzw.
bedürfnisbezogenes Verhalten mehr (und dann wiederum in der Akteursperspektive wenig
rational) oder minder mechanisch regulieren. Zwar ist denkbar, daß auch dieses Verhalten
durch moralische Standards zumindest limitiert wird, ebenso, daß seine Bedingungen selbst
unter Berücksichtigung moralischer Maßstäbe gesetzt worden sind; analytisch ist es jedoch
(anders als das strategische Handeln) eindeutig von moralischem Handeln verschieden.
2 Hierher gehört beispielsweise die Einhaltung des Parkverbots an Straßenecken mit
ausgebuchteten und pfahlbewehrten Bürgersteigen.