Objekt : Corsten, Michael: Moralische Dimensionen der Arbeitssphäre

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o  Substitution  personenbezogener  (unter  Umständen  auch  auf  Kollektive  gerichteter)
Moralisierungen  durch  metamoralische  Ethikdiskurse  (LUHMANN  o.J.:  9);
weitgehende  Abkoppelung  der  Koordinationen  von  den  gemeinsamen  Grundüberzeugungen -
  der  Akteure;  Beschränkung  auf  wechselseitiges  Verstehen  und  Verschränken
divergierender  Interessen:  vom  "koordinierten  Dissens"  (MILLER  1987)  zum  "spezifischen
Interessenkonsens"  (alias  "Gewinner-Gewinner-Strategie";  SCHIMANK  1990);  schließlich
auch  noch
Aufgeben  kontrafaktischer  Erwartungen  zugunsten  von  purer  Anschlußrationalität  (d.h.
ego  wartet  ab,  was  alter  tut,  und  orientiert  sich  an  dessen  tatsächlichem  Verhalten;
LUHMANN  1978:  65-67)2.
Die  je  spezifischen  Stärken  und  Schwächen  dieser  funktionalen  Aquivalente  von  Moral  sollen
erst  in  späteren  Abschnitten  (vor  allem  in  den  Teilen  1.3  und  2.1)  angesprochen  werden.  Hier
ist  nur  noch  zu  begründen,  warum  einige  häufig  genannten  Handlungstypen  (vgl.  z.B.
DÖBERT  1989)  und  Koordinierungsweisen  (vgl.  SCHIMANK  1990)  in  unserer  Liste  fehlen.
Das  mag  im  Falle  von  nicht  durch  die  bewußten  Intentionen  der  Akteure  gesteuertem,
sondern  traditionsgeleitetem  oder  affektbestimmtem  sozialen  Handeln  bzw.  Verhalten  ohne
weiteres  einleuchten,  denn  wir  haben  uns  ja  nur  nach  (im  strengen  Sinne)  rationalen,  d.h.
durch  die  Akteure  begründeten  bzw.  begründbaren  Alternativen  moralischer  Handlungskoordination -
  umgesehen.  Weniger  plausibel  erscheint  dagegen  vielleicht  die  Ausklammerung
strategischen  Handelns  und  mediengeleiteten  Verhaltens,  die  nach  HABERMAS  (1981,  1983,
1986)  per  definitionem  als  Gegenpole  (kommunikativen  -  verständigungsorientierten  -konsensgerichteten) -
  moralischen  Handelns  anzusehen  sind.  Demgegenüber  nennen  wir
"strategisch“  alle  Handlungen,  die  unter  Berücksichtigung  erwartbarer  Reaktionen  von
Interaktionspartnern  (die  nicht  notwendig  Antagonisten  zu  sein  brauchen)  auf  eine
erfolgreiche,  d.h.  im  weitesten  Sinne  effiziente  (wirksame)  und  effektive  (rentable)
Realisierung  eigener  Präferenzen  zielen.  Moralische  Rationalität  ist  dann  kein  Gegenstück,
sondern  nur  ein  Spezialfall  der  strategischen  Rationalität,  in  dem  jene  Maßstäbe  präferiert,
zumindest  respektiert  werden,  von  deren  normativer  Richtigkeit  die  Akteure  persönlich
überzeugt  sind  und  deren  Erfüllung  sie  als  achtungsvermittelnd  betrachten.  Das  bedeutet:
(Strategische)  Erfolgsorientierung  kann  zwar,  muß  aber  nicht  mit  Moral  kollidieren;  auch
moralisch  gebotene  Zielsetzungen  können  Kriterien  erfolgsgerichteten  Handelns  abgeben
(hierher  gehören  Max  WEBERs  Konzepte  der  Wahlrationalität  sowie  der  Verantwortungsethik;
vgl.  DÖBERT  1989).  Wir  plädieren  also  dafür,  nicht  nur  HABERMAS'  Restriktion  des
(Kommunikations-  und)  Moralkonzepts  auf  Konsensorientierung  fallen  zu  lassen,  sondern
auch  seine  Verengung  des  Strategiebegriffs  auf  amoralische  bzw.  "unmoralische"  Intentionen
zu  revidieren.  Sein  Begriff  des  mediengeleiteten  Verhaltens,  bei  dem  im  Rahmen  einer
bestimmten  generellen  Interessenorientierung  spezielle  Zwecke  durch  verfügbare  Mittel
bestimmt  werden  (HABERMAS  1986:  388),  dagegen  scheint  eine  echte  Alternative  zum
moralischen  Handeln  zu  betreffen:  Er  fällt  unter  die  Kategorie  der  Anschlußrationalität  und
deckt  hier  eben  jenen  Bereich  ab,  in  dem  symbolisch  generalisierte  Medien  interessen-  bzw.
bedürfnisbezogenes  Verhalten  mehr  (und  dann  wiederum  in  der  Akteursperspektive  wenig
rational)  oder  minder  mechanisch  regulieren.  Zwar  ist  denkbar,  daß  auch  dieses  Verhalten
durch  moralische  Standards  zumindest  limitiert  wird,  ebenso,  daß  seine  Bedingungen  selbst
unter  Berücksichtigung  moralischer  Maßstäbe  gesetzt  worden  sind;  analytisch  ist  es  jedoch
(anders  als  das  strategische  Handeln)  eindeutig  von  moralischem  Handeln  verschieden.
2  Hierher  gehört  beispielsweise  die  Einhaltung  des  Parkverbots  an  Straßenecken  mit
ausgebuchteten  und  pfahlbewehrten  Bürgersteigen.
            
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