Metadaten : Puchta, Georg Friedrich: Kleine civilistische Schriften

Zur  Erinnerung  an  G.  F.  Puchta's  Leben  und  Wirken.
LII
lichen,  Unbedeutenden  und  Scheinhaften  zu  bewahren.  Alle
diese  Bildungselemente  und  was  ihm  sonst  eine  lebhafte  Theilnahme ¬
  an  Literatur  und  Leben  bot,  wußte  Puchta  und  liebte  er
auch  in  der  kleinen  Münze  engerer  und  weiterer  Geselligkeit  geltend =
  zu  machen.  Endlich  aber  wird  Niemand  sich  ein  richtiges
Bild  dieses  Mannes  machen,  der  sich  ihn  nicht  in  allen  diesen
Eigenthümlichkeiten  menschlicher  Stärke  und  menschlicher  Schwächen ¬
  —  und  wer  mag  da  die  Gränze  ziehen!  —  durchdrungen
zu  denken  weiß  von  dem  lebendigen  Geiste  eines  treuen,  festen,
evangelischen  Glaubens.  Und  grade  in  diesem  Sinne  erscheinen
die  letzten  Tage  seines  Lebens  als  die  wahre  Blüthe  seines  Wesens, =
  welche  uns  allein  das  rechte  Maaß  für  die  Beurtheilung
der  Summe  so  vieler  reicher  und  zum  Theil  heterogener  Momente ¬
  giebt.  Wer  unter  so  schweren,  nur  selten  über  Sterbende
verhängten  Prüfungen,  mit  vollem  Bewußtseyn  während  so
vielen  Tagen  den  Tod  langsam  aber  sicher  herandringen  sieht,
ohne  je  die  freudigste  Fassung,  die  mildeste  Haltung  zu  verlieren
wer  so  entschieden  bis  zum  letzten  Athemzug  bekennt,  daß
diese  Freudigkeit  ihm  nicht  aus  eigener  Kraft  kommt,  sondern
von  dem,  der  für  ihn  den  Tod  und  die  Sünde  überwunden
hat,  über  dessen  milde  Reife  im  edelsten,  vollsten  Sinne  kann
kein  Zweifel  seyn.  Hier  aber  wie  in  allen  Dingen  und  im  mannigfaltigsten ¬
  Sinne  gilt  das  Wort  des  großen  Dichters:  Reife
ist  Alles.  Ist  aber  die  reife  edle  Frucht  von  dem  der  sie  sich
gezogen  hat,  gepflückt  und  eingebracht,  so  werden  auch  die  hinterlassenen ¬
  Freunde,  in  freudiger  gesinnungs-  und  entschließungsreicher ¬
  Fassung,  sich  seiner  würdig  zu  zeigen  vermögen.
            
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