fullscreen : Gengler, Heinrich Gottfried Philipp: ¬Das deutsche Privatrecht in seinen Grundzügen für Studierende

Fünftes  Buch.
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kindschaft  gesetz-  oder  observanzmässig  begründet  und  insbesondere
in  der  concret  angewandten  Form  zu  Recht  bestehend  sei.
§.  141.
Beschluss:  Die  s.  g.  Ehe  zur  linken  Hand.
1.  Eine  zweite,  besondere  Betrachtung  erheischende  Unterart
der  erbdingenden  Eheverträge  ist  der  auf  die  Standessphäre  des
hohen  Adels  eingeschränkte  morganatische  Ehevertrag,  so
genannt  von  der  gewöhnlich  darin  der  Gattin  als  einziges  Reichniss -
  aus  dem  Vermögen  des  Mannes  ausgesetzten  Morgengabe
(morganatica).*)  Die  hiermit  eingeleitete  „morganatische  oder
Morgendings-Ehe“  —  den  Gegensatz  zur  „legitimen  WitthumsEhe“ -
  bildend  —  wird  auch  „salische  Ehe“  (matrimonium  lege
Salica)  und  „Ehe  zur  linken  Hand“  geheissen.  Die  erstere  Bezeichnung ¬
  rührt  daher,  dass  der  eigentliche  Urheber  dieser  Ehegedinge -
  2),  der  italienische  Adel,  während  des  Mittelalters  grossentheils -
  nach  fränkischem  Rechte  gelebt  hat,  als  dessen  Mittelpunkt
die  alte  lex  Salica  gedacht  wurde;  den  anderen  Namen  erhielt
die  fragliche  Ehe  von  der  dabei  üblichen,  aber  nicht  wesentlichen
Symbolform  der  Trauung  an  die  linke  Hand  des  Mannes.3
2.  Der  morganatische  Ehevertrag  setzt  nun  keineswegs  den
Mangel  der  Ebenbürtigkeit  auf  Seite  des  einen  Ehecontrahenten
nothwendig  voraus  *),  sondern  vermag  auch  zwischen  vollkommen
standesgleichen  Personen  vereinbart  zu  werden,  da  es  z.  B.  im
Falle  einer  zweiten  Ehe  das  Interesse  des  hochadeligen  Hauses
fordern  kann,  dass  der  sie  schliessende  Angehörige  desselben,  um
*)  v.  Gerber,  System  §.  224  Note  9  S.  377;  Beseler,  System  Bd.  II
§.  171  Nr.  III;  Stobbe,  Handb.  Bd.  IV  §.  214  S.  45—47.  Ausserdem  vgl.
B.  de  Niebelschütz,  De  matrimonio  ad  morganaticam  commentatio  (1851)
p.  27—49;  auch  J.  L.  Klüber,  Acten  des  Wiener  Congresses  Bd.  VIII  (1818)
S.  175—81;  Kohler,  Handb.  des  dtsch.  Privatfürstenrechts  §§.  51—56  S.  161—68.
Ueber  das  preuss.  LR.  II,  1  §§.  835—944  s.  Schmidt,  Preuss.  Familienrecht
§.56  S.  421—24.  Quellen-Belege  b.  Kraut,  Grundriss  §.  42  S.  108,  9.  *)  Ueber
das  Wort  „morganatica“  s.  de  Niebelschütz  1.  c.  p.  1—7.  2)  II  Feud.  29:
26  §.  15  [Kraut  a.  a.  O.  nr.  16,  17).  Dazu  s.  Zöpfl,  Missheirathen  §§.  21—24
S.  34  ff.,  Dtsch.  RGesch.  Bd.  III  §.  90  S.  84,  85.  Wegen  der  Anwendung
der  Lex  Salica  bei  dem  Adel  Italiens  im  XI.  u.  XII.  Jhdt.  s.  P.  L.  Albint,
Elementi  della  storia  del  diritto  in  Italia  (1847)  p.  127,  28.  3)  Vgl.  de  Niebelschütz -
  1.  c.  p.  28,  29.  4)  Vgl.  Klüber  a.  a.  O.  S.  176.  Dagegen  s.  de  Niebelschutz
I.  c.  p.  31.
            
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