Metadaten : Practische Erörterungen aus allen Theilen der Rechtsgelehrsamkeit (2)

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Verstand.  Der  Schluß.  §  64.
die  Prämissen  früher  gebildet  waren;  b)  ob  sie  sich  gegenwärtig  im  Bewußtsein
zusammenfinden;  c)  ob  der  innere  logische  Zusammenhang  unter  ihnen  auch  gegenwärtig
  gesehen  wird.  Es  hängt  dieses  aber  von  sehr  vielen  und  verschiedenen
individuellen  Umständen  und  Verhältnissen  des  Menschen  ab,  und  hieraus  wird
begreiflich,  weshalb  die  geistige  Bildung  und  Entwickelung  der  Menschen,  ungeachtet
  sie  alle  das  Vermögen  zu  schließen  und  die  Elemente  des  Schließens  beitzen,
  so  unendlich  verschieden  ist.  Weil  jeder  Schluß  aus  Urtheilen  besteht,
weil  im  Schlusse  die  darin  enthaltenen  Urtheile  in  Ansehung  ihrer  Gültigkeit
durch  einander  bestimmt  werden,  weil  endlich  im  Schlusse  ein  neues  Urtheil  gewonnen
  wird  und  sich  mit  diesem  neuen  Urtheile  (dem  Schlußsatze)  das  Bewußtein
  seiner  Unbezweifelbarkeit  verbindet,  so  ist  der  Schluß  auch  ein  apriorischer
Geistesact  und  ist  nur  möglich  in  einem  eigentlich  denkenden  Wesen,
wie  ja  auch  der  Mensch  nur  dadurch  des  Schlusses  fähig  ist,  daß  er  aus  seinen
eigenen  Erscheinungen  und  Aeußerungen  sein  substanziales  und  causales  Sein  erschließt
  und  erst  vermittelst  dieses  an  sich  selbst  gebildeten  Schlusses  eines  jeden
andern  eigentlichen  Schlusses  fähig  wird.  Darum  ist  auch  das  Thier  zu  einem
eigentlichen  Schlusse  nicht  fähig,  und  was  beim  Thiere  einem  Schlusse  ähnlich
sieht,  ist  nichts  als  eine  bloße  Association,  d.  i.  eine  blinde  Aneinanderreihung
verworrener  Vorstellungen,  die  ein  und  dasselbe  Resultat  geben.  Wenn  der  Hund
wegen  des  von  seinem  Herrn  aufgehobenen  Stockes  sich  verkriecht,  winselt  und
schreit,  so  kann  der  Mensch  allerdings  dieses  Benehmen  des  Hundes  in  recht
pedantischer  Weise  auf  förmliche  Schlüsse,  etwa  sechs  an  der  Zahl,  zurückführen:
aber  der  Hund  selbst  macht  weder  förmliche  noch  abgekürzte  Schlüsse,  sondern
er  hat  nur  die  einzige  vermischte  Vorstellung  seines  Herrn,  des  aufgehobenen
Stockes,  der  empfangenen  Prügel,  des  Schmerzes  und  des  Abscheus  vor  demselben.
  Darum  ist  es  auch  nicht  einmal  nöthig,  dem  Thiere  das  Vermögen
undeutlicher  Schlüsse  zuzulegen  und  hierin  das  Vernunftähnliche
(analogon  rationis)  zu  setzen.  Aber  auch  beim  Menschen  finden  wir  etwas
Aehnliches.  Mit  der  Vorstellung  des  fallenden  Barometers  verband  sich  früher
die  Vorstellung  des  stürmischen  Wetters,  mit  dem  Steigen  desselben  die  der  heitern
  Luft:  zeigt  sich  jetzt  an  dem  Barometer  die  nämliche  Erscheinung,  so  ist  uns
auch  sofort  der  Gedanke  ähnlicher  Witterungsverhältnisse  bei  der  Hand.  Wir
nennen  die  Blume,  die  wir  im  Garten  sehen,  eine  Tulpe,  weil  wir  das  Schema
der  Tulpe  in  dieser  Blume  wiederfinden  und  wir  mit  diesem  Schema  schon  früher
  die  Vorstellung  der  Tulpe  verbunden  hatten.  Zwar  haben  wir  in  diesem
Hergange  schon  mehr  als  ein  gewöhnliches  analytisches  Urtheil,  sofern  sich  die
Vorstellung  des  Prädicates  aus  der  bloßen  Vorstellung  des  Subjectes  nicht  gewinnen
  läßt  und  es  hier  schon  fertiger  vermittelnder  Urtheile  bedarf:  aber  es  ist
dieser  Mechanismus  kein  eigentlicher  Schluß,  sondern  eine  bloße  Reproduction
Max-Planck-Institut  für  Bildungsforsch
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