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Todesstrafe.
teien Gunst und Haß verwirrt" die wunderbarsten Wechselfälle hervor. ¬
Ebenso schwierig als interessant ist es daher, die Geschicke dieser
Frage, den Stand der Meinungen, das gegenseitige Verhältniß der
Gründe für und wieder, in der massenhaften durch die ungleichartigsten ¬
Beiträge angeschwellten Literatur zu verfolgen.
Bei dieser Sachlage werden nicht blos Fachmänner, sondern weite
Kreise des gebildeten Publicums die beiden oben angeführten Schriften
als eine willkommene Erscheinung begrüßen. Zwar sind beide gegen
die Todesstrafe gerichtet, kündigen dies sofort und offen an und werden
daher, da in dieser Frage Jeder sich seine Meinung gebildet hat und
sie für unerschütterlich hält, von Vielen als einseitige Parteischriften
mit Mißtrauen aufgenommen werden. Wer aber die leichte Mühe nicht
scheut, sie zu lesen, wird sich bald davon überzeugen, daß das Mißtrauen ¬
hier nicht am Platze sei, und daß es sich hier nicht um Arbeiten
handle, in welchen leidenschaftlicher Eifer, blind für die Bedeutung des
Angriffsobjectes und seiner Schutzwaffen, und noch leichter sich täuschend
über die Wirksamkeit der eigenen Angriffswaffen, Ausführungen aneinanderreiht, ¬
welche nur den in Gedankenkampf völlig Wehrlosen überwinden, ¬
und nur Denjenigen überzeugen, welcher von Anfang an entschlossen ¬
ist, sich überzeugen zu lassen. Vor diesem Verdacht sind freilich
beide Schriftsteller bei Jedem sicher, der ihre Namen kennt. Jede Schrift
Berners gibt Zeugniß davon, mit welch tiefem Ernst er nach Wahrheit ¬
und Klarheit strebe, und wie wenig er in Versuchung sei, sich
bequemen Selbsttäuschungen hinzugeben; Mittermaiers ganzes literarisches ¬
Leben beweist, daß der berühmte Gelehrte sich durch die gefaßte
und selbst öffentlich ausgesprochene Meinung nie abhalten ließ, den
Gegenstand derselben im Auge zu behalten, jeden neuen Anlaß zu erneuerter ¬
Prüfung desselben zu benützen, jeden noch nicht berücksichtigten
Gegengrund zu beachten, jedes Ereigniß, welches einen bisher nicht bemerkten ¬
Gesichtspunkt darzubieten scheint, in voller Unbefangenheit zu würdigen. ¬
Zudem wären gerade in dieser Frage beide Schriftsteller eher auf
der entgegengesetzten Seite zu suchen gewesen Mittermaiers literarische ¬
Anfänge fallen in jene Zeit, wo der Feuerbachschen Theorie mit ihrer
unerbittlichen Strenge und dem gemeinen deutschen Inquisitionsproceß
mit seiner absoluten Rücksichtslosigkeit eine ewig währende Herrschaft
gesichert schien, und während sonst die späteren Lebensjahre eine strengere ¬
und herbere Auffassung des Lebens herbeizuführen pflegen, ist es
gewiß eine seltene Eigenthümlichkeit, daß Mittermaier, je weiter er in
einer unermüdlichen Thätigkeit vorschreitet, in seinen Ansichten immer
milder, immer eifriger in der Befürwortung alles Dessen wird, was
eine billigere, gelindere Behandlung eines Angeklagten zu versprechen,
die Hoffnung auf Besserung selbst des ärgsten Verbrechers noch wach
zu halten geeignet ist. Berner nahm seinen Ausgangspunkt in einer
philosophischen Schule, deren Strafrechtstheorie der Todesstrafe entschieden ¬
günstig ist, und seine eigene auf einen bestimmten scharfen
Abschluß gerichtete Denkungsweise scheint ihn dahin zu weisen. Wenn
nun beide gegen die Todesstrafe auftreten, wenn der Eine (Berner)