Trennung jüdischer Ehen.
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die im Volke tief eingewurzelte Idee vom Eigenthume des Mannes ¬
an der Frau entgegen, gemäß welcher er sich für berechtiget
hielt, die Frau nicht etwa bloß aus dieser oder jener Ursache, sondern ¬
nach freyem Belieben zu entlassen. Moses setzte daher gar
keine besonderen Ursachen, welche zur Ehetrennung berechtigen
sollten, fest, sondern sagte bloß allgemein, daß der Mann seine
Frau entlassen könne, »si non invenerit gratiam ante oculos
»ejus propter aliquam foeditatem,a oder wörtlich
nach dem Hebräischen: wenn er die Blöße einer Sache
(d. i. etwas Mißfälliges) an ihr findet, es mochte übrigens dieser
Mangel worin immer bestehen. Man suchte zwar später diese
Worte in einem engeren Sinne zu deuten, da man das Unsittliche ¬
solcher Ehetrennungen, die ganz in die Willkühr des Mannes
gestellt waren, wohl fühlen mochte, und es entstand ungefähr
vierzig Jahre vor Christus über ihre wahre Bedeutung ein heftiger
Streit zwischen den Schulen Hillel und Schamai, von denen
die erstere die Worte Mosis von was immer für einem, wenn auch
noch so geringfügigen, Fehler oder Mangel der Frau, z. B. weil
sie nicht so schön als eine andere war, verstand, die andere hingegen ¬
behauptete, mit diesen Worten habe Moses blaß den Ehebruch ¬
der Frau bezeichnet, und der Mann dürfe demnach seine
Frau bloß wegen Ehebruchs entlassen. Die erstere Schule hatte
darin recht, daß nach den bürgerlichen Gesetzen Mosis der Mann
seine Frau aus jeder beliebigen Ursache entlassen konnte, irrte
aber darin, daß sie behauptete, der Mann könne sich auch im
Gewissen jederzeit dabey beruhigen; die andere strengere Schule
ging hingegen zu weit, wenn sie das bürgerliche Gesetz bloß auf
den Fall des Ehebruchs beschraͤnkte, ungeachtet sie von Seite der
Moral. der Wahrheit näher war. So entschied Christus den Streit,
indem er den Pharisäern auf ihre Frage antwortete: »Moses ad
2 duritiam cordis vestri permisit vobis dimittere uxores ve»stras: ¬
ab initio autem non fuit sic. Dico autem vobis, quia
»quicumque dimiserit uxorem suam, nisi ob fornicationem,
»et alium duxerit, moechatur « 4.
2 Matthäus, K.19, V. 8 und 9.