9.16.
Metzler, J., Die apostolischen Vikariate des Nordens
Besprochen von H. Nottarp
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Literatur*
Johannes Metzler 8. J., Die apostolischen Yikariate des
Nordens. Ihre Entstehung, ihre Entwicklung und ihre
Verwalter. Ein Beitrag zur Geschichte der Nordischen
Missionen. Paderborn, Bonifazius-Druckerei G. m. b. H.
1919. XXIV, 338 8. gr. 8®.
Metzler behandelt die kirchliche Geschichte derjenigen Gebiete,
die in der Sprache der römischen Kurie als Missiones septentrionales
bezeichnet werden, das sind die protestantisch gewordenen Teile Nord-
deutschlands und die skandinavischen Reiche, in denen überall im Ver-
folg der Reformation das katholische Kirchenwesen zu herrschen auf-
gehört hatte, so daß die Zahl der Katholiken hier äußerst gering war.
Nur in den 1648 durch den Westfälischen Frieden dem Kurfürsten von
Brandenburg zugesprochenen Ländern Magdeburg, Halberstadt und
Minden bestanden noch einige Klöster der alten Orden (Benediktiner,
Augustinerchorherren, Dominikaner, Franziskaner, Zisterzienserinnen und
dergleichen), die infolge der Bestimmungen des Normaljahres von 1624
erhalten blieben, in Minden war noch ein vorwiegend katholisches Dom-
kapitel und zwei Kollegiatstifte, im Halberstädter Domkapitel und in
den dortigen Stiftskapiteln waren einige Präbenden in katholischen
Händen; auch in Lübeck waren noch vier Domherrenstellen katholisch.
Wohl siedelten sich in den Städten Kaufleute und Gewerbetreibende
aus katholischen Gegenden an, eigentliche geschlossene Gemeinden von
Katholiken gab es aber nicht. Noch weniger zahlreich waren die Katho-
liken in den skandinavischen Ländern. Erst im Lauf des 17. und 18. Jahr-
hunderts änderte sich das etwas, als aus diplomatischen, militärischen
oder bevölkerungspolitischen Gründen mancherorts die katholische Re-
ligionsübung wieder gestattet wurde. So hatten in Bremen, Hamburg,
Kopenhagen, Stockholm die Gesandten des Kaisers und der katholischen
Mächte Frankreich und Spanien ihre Kapellen mit eigenen Geistlichen,
die dann natürlich eine Stütze der Mission wurden; in Brandenburg
wurde namentlich die Seelsorge für die in katholischen Ländern An-
geworbenen Soldaten gestattet ; auch gaben die im 17. Jahrhundert häufi-
gen Konversionen von Landesherren (z. B. in Hannover, Mecklenburg
und Braunschweig) Anlaß zur Bildung katholischer Gemeinden.
Als die Kurie sah, daß ihr Kirchenwesen in Norddeutschland und
Skandinavien zusammenbrach, betraute sie seit Ende des 16. Jahrhun-
derts ihre ständigen Nuntien in Köln damit, zu retten was zu retten war;
und nach der Errichtung der Congregatio de propaganda fide in Rom
im Jahre 1622 wurden auch die Nuntien ii| Brüssel und Warschau bei-
gezogen, jeder von ihnen bekam ein abgegrenztes Gebiet zur Beauf-
sichtigung, dem Nuntius in Brüssel wurde Dänemark und Norwegen
zugewiesen, dem in Warschau Schweden, Pommern und Preußen, das
übrige, also Norddeutschland, verblieb dem Kölner; seit 1673 unter-
stand aber das ganze Gebiet wieder allein der Kölner Nuntiatur. Die
Nuntien bedienten sich zur Erfüllung ihrer Missionsaufgabe meist