Object : Engel, Eduard: Eisenbahnreform

XI.
Die  Selbstkosten.
So  viel  glaube  ich  bewiesen  zu  haben,  dass  der  Wert  einer  Reise
für  den  Reisenden  selbst  in  keinem  Zusammenhange  steht  mit  der
Zahl  der  zu  ihr  notwendigen  km,  dass  sogar  angenommen  werden
darf,  der  Wert  einer  Reise  sinkt,  bei  sonst  gleichen  Verhältnissen,  in
demselben  Maße,  wie  die  Zahl  der  zurückzulegenden  km  steigt.
Das  einzige,  was  somit  gegen  einen  Einheitstarif  für  alle  wirklichen ¬
  Reisen,  über  einen  engen  Ortsumkreis  hinaus,  eingewendet
werden  könnte,  wäre  die  Rücksicht  auf  die  „Selbstkosten"  der  Eisenbahnen, ¬
  welche  ja  doch  mit  der  Zahl  der  von  jedem  Reisenden  zurückgelegten ¬
  km  angeblich  wachsen.
Diesen  „Selbstkosten"  wollen  wir  einmal  etwas  näher  zu  Leibe
gehen!  In  der  Eisenbahnlitteratur  gibt  es  schon  Dutzende  von  Büchern
und  Aufsätzen  darüber,  ohne  dass  die  Frage  irgendwie  einer  Lösung  nahe
n"?
gebracht  wäre.  Was  versteht  man  denn  eigentlich  unter  „Selbstkoster
Versteht  man  darunter  etwa  die  Summe  der  bekannten  Kosten,  welche
eine  Eisenbahnverwaltung  im  Laufe  eines  Jahres  wirklich  gehabt  hat
für  eine  bekannte,  wirkliche  Leistung,  also  für  so  und  so  viel  beförderte ¬
  Tonnen  und  so  und  so  viel  beförderte  Personen?  Wenn  man
diese  „Selbstkosten"  meint,  so  frage  ich:  was  haben  denn  die  Ausgaben
eines  früheren  Jahres  zu  tun  mit  der  Tarifirung  für  ein  kommendes
Jahr  und  für  eine  noch  unbekannte  Leistung?  Die  Summe  der
Selbstkosten  eines  vergangenen  Jahres  bedeutet  in  dieser  Beziehung
doch  nur:  es  sind  befördert  worden  z.  B.  20  Millionen  Tonnen
Güter  auf  so  und  so  viele  km,  und  50  Millionen  Passagiere  auf  so
und  so  viele  km,  und  diese  Beförderung  hat  uns  gekostet  70  Millionen
M.,  und  wir  haben  2  Millionen  Überschuss  gehabt.  Will  aber
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