Full text : Handbuch des gegenwärtig geltenden gemeinen deutschen bürgerlichen Rechts (1)

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§.  10.  Von  der  Accession.
lebt  auch  an  den  vom  Gebäude  getrennten  Baumaterialien  das
Eigenthum  des  frühern  dominus  materiae  nicht  wieder  auf,  wenn
dieser  schon  durch  die  actio  de  tigno  juncto  für  die  Materialien
einen  doppelten  Ersatz  erlangt,  und  der  dominus  aedificii  bona  fide
61)
War  dagegen  dieser  in  mala  side,  so  findet  gegen
gebaut  hal).
denselben  außer  der,  in  diesem  Fall  als  actio  mere  poenalis  erscheinenden, ¬
  actio  de  tigno  juncto,  wie  vor  der  Trennung  der  Materialien ¬
  von  dem  Gebäude  auf  Ersatzleistung,  so  nach  derselben  auf
Herausgabe  jener  selbst,  die  rei  vindicatio  oder  die  actio  ad  exhi62) ¬

Dabei  versteht  es  sich  jedoch  von  selbst,  daß,
bendum  stalt).
wenn  während  der  Verbindung  der  Materialien  mit  dem  Gebäude
durch  eine  dieser  Klagen  Ersatz  erlangt  ist,  nach  erfolgter  Trennung ¬
  von  einem  Anspruch  auf  die  Herausgabe  der  Materialien
selbst  nicht  weiter  die  Rede  sein  kann*).  Die  bisher  über  den
Fall,  wenn  der  Eigenthümer  des  Bodens  auf  diesem  mit  fremden
petere;  etenim  cujus  insula  est,  non  utique  et  caementa  sunt;  denique
ea,  quae  juncta  sunt  aedibus  alienis,  separata  dominus  vindicare  potest“;
Gesterding,  a.  a.  O.,  S.  225.
64)  §.  29,  i.  f.  J.  de  rer.  div.  (2.  4.):  —  —  „Quod  si  aliqua  ex  causa
dirutum  sit  aedificium,  poterit  materiae  dominus,  si  non  fuerit  duplum ¬
  jam  consecutus,  tunc  eam  vindicare  et  ad  exhibendum  ea  de  re
agere“.  Nach  diesem  Gesetze  scheint  freilich  allgemein,  und  nicht  bloß  in  dem
Fall,  wenn  der  Bauende  in  bona  fide  war,  die  Zulässigkeit  der  rei  vindicatio
oder  der  actio  ad  exhibendum  nach  erfolgter  Trennung  der  Materialien  von
dem  Gebäude  dadurch  bedingt  zu  sein,  daß  nicht  schon  durch  die  actio  de  tigno
juncto  das  duplum  erlangt  ist;  allein  die  oben  gemachte  Einschränkung  auf
denjenigen,  welcher  bona  fide  baute,  wird  durch  den  Inhalt  der  l.  2  D.  de
tigno  juncto  (47.  3.)  gerechtfertigt,  indem  hier  gegen  den  mala  fide  Bauenden
auch  nach  dem  Gebrauch  der  actio  de  tigno  juncto  ausdrücklich  die  rei  vindicatio ¬
  gestattet  wird;  Gesterding,  a.  a.  O.,  S.  228,  Göschen,  Vorles.,  II.
§.  274.
62)  1.  1  §.  2  D.  de  tigno  juncto  (47.  3.):  „Sed  et  (nachdem  vorher  die
actio  de  tigno  juncto  dem  dominus  materiae  gegeben  ist)  ad  exhibendum
danda  est  actio,  nec  enim  parci  oportet  ei,  qui  sciens  alienam  rem  aedificio ¬
  inclusit,  vinxitve;  non  enim  sic  eum  convenimus,  quasi  possidentem,
sed  ita,  quasi  dolo  malo  fecerit,  quo  minus  possideat“;  l.  2  D.  eodem:
„Sed  si  proponas,  tigni  furtivi  nomine  aedibus  juncti  actum;  deliberari
poterit,  an  extrinsecus  sit  rei  vindicatio?  Et  esse  non  dubito“;  Gesterding,
a.  a.  O.,  S.  228,  Westphal,  Arten  d.  Sachen,  §.  441  f.,  Klüpfel,  üb.  einz.
Theile  d.  bürgerl.  Rechts,  S.  19  f.,  Thibaut,  Syst.,  II,  §.  729,  Fritz,  Erläut.,
II,  S.  346.
63)  Gesterding,  a.  a.  O.,  S.  229,  Wening-Ingenheim,  Civilr.,  1,  §.  139.
            
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