De Legibus, Senatus consultis et longa consuet. 453
haben müsse "*); nein es ist genug, daß einmahl die generelle ¬
Bestättigung geschehen; es wäre denn, daß von
solchen Gewohnheiten die Rede sey, welche geschriebenen
Gesetzen gerade entgegen streiten. Gewohnheiten dieser
Art müssen durchaus in specie vom Landesherrn gebilliget ¬
seyn; und es wird der deutlichste Beweiß erfordert,
daß sie zu seiner Wissenschaft gekommen sind. Denn ohnmöglich =
können jene Gesetze, welche die Gewohnheiten im
allgemeinen bestättigen, so ausgelegt werden, als ob der
Regent seinen Unterthanen die Befugniß ertheilet hätte,
seinen einmahl gegebenen Gesetzen, durch Einführung anderer ¬
Gebräuche, ihre Kraft zu entziehen )
Da übrigens die gesetzliche Kraft der Gewohnheiten
lediglich von der Einwilligung des Gesetzgebers
abhängt, so versteht sich's, daß die Gültigkeit derselben
nie
Ff 3
64) cap. 1. de constitut. in 6to. Hiermit stimmt auch überein
Danz im Handbuch des heut. teutschen Privatrechts 1. Band
§. 56. S. 194.
65) Vortreflich sagt RICCIUS in Spicilegio iuris Germanici pap. 2.
seqq. Quum omnem legis condendae et publicandae potestatem
populus in principem transtulerit, et naturali ratione eius sit
solvere, qui potest velle, frustra utique in principem legislatoria ¬
potestas foret collata, si civibus liceret, leges, quas
vellent, contrario usu vel pluribus actibus publice susceptis,
legi contrariis antiquare. Graviter proinde et recte iam olim
in diplomate suo de a. 1360. pronunciavit Rudolphus IV. Archidux ¬
Austriae: so soll noch mag dieselbe Gewohnheit, ¬
wie alt sie wär, die also wider das gemeine ¬
Recht, und wider die Wahrheit ist, kein
sunder Recht machen noch bringen. Rei enim veritate ¬
inspecta non plures actus publice suscepti, sed mutata
principis voluntas factis declarata tollit legem antea latam.