Objekt : Lewis, William: ¬Das Recht des Familienfideicommisses

Entwickelungsgeschichte  des  Familienfideicommisses.
In  dieser
Senatusconsult  unter  Hadrian  auf  Fideicommisse  ausgedehnt  ½).
Hinsicht  nimmt  Rudorff  an,  daß  man  sich  rücksichtlich  der  Familienfideicommisse ¬
  über  dasselbe  hinweg  gesetzt  habe  *);  während  Huschke")  behauptet, ¬
  daß  beständige  Familienfideicommisse  erst  im  dritten  Jahrhundert
unserer  Zeitrechnung  aufgekommen  seien,  und  in  der  früheren  Zeit  Fideicommisse ¬
  nur  zu  Gunsten  der  beim  Tode  des  Testators  bereits  lebenden  Familienglieder ¬
  hätten  errichtet  werden  können.  Er  geht  hierfür  eben  von  dem  Umstande ¬
  aus,  daß  durch  das  erwähnte  Senatusconsult  Fideicommisse  au  incertae
personae  und  postumi  alieni  untersagt  worden,  glaubt  aber  zugleich,  daß  sie
auch  vorher  nicht  existirt  hätten.  Sowohl  das  Eine  als  das  Andere  ist  lediglich ¬
  eine  Vermuthung.  Für  die  erstere  könnte  man  anführen  wollen,  daß  wir
das  Beispiel  eines  dauernden  Fideicommisses  aus  der  früheren  Zeit  haben.  Es
ist  dies  das  Alimentenfideicommiß  in  dem  Testamente  des  Dasumius,  welches  im
Anfang  des  zweiten  Jahrhunderts  unserer  Zeitrechnung,  nämlich  im  Jahre  862
der  Stadt  (Aelio  Hadriano  Trebatio  Prisco  coss.)  errichtet  ist
Hier  heißt
es  nämlich  (Z.  85  —  97):  Praedium  suburbanum  sestertium  sexagies,  quod
beneficio  imp.  Caesaris  Traiani  ugusti  Germanici  Dacici  consecutus  sum,
intra  biennium,  quam  mortuus  ero,  libertis  in  alimenta  dari  volo.  Fidei
itaque  heredum  committo,  uti  praedium,  in  quo  corpus  meum  sepeliri  volo,
çum  in  eo  ......  amicus  meus  rarissimus  reliquias  meas  condiderit  exceptis
locis  religiosis  et  monimento,  quo  reliquiae  meae  inlatae  fuerint,  cuicunque
sive  testamento  anteare  libertatem  dedi  sire  codicillis  dedero,  practerquam
Hymno  pessime  de  me  merito  et  ingrato  erga  patronum  suum,  cum  paseuis, -
  sattibus,  silvis  instructum  mancipio  dent,  ita  ne  de  nomine  libertorum ¬
  exeat  neve  ii  vendant,  pignore  dent,  cedant,  condonent,  etus  autem
portio,  qui  ex  his  decesserit,  reliquis  adcrescat,  donec  in  rerum  natura
esset  unus  eorum.  Quodsi  liberti  libertaeque  in  rerum  natura  omnes  esse
desierint,  tunc  ad  libertorum  meorum  filios  posterosque,  donec  esset  unus
eorum,  idem  volo  pertinere.  Quodsi  esse  desierit,  tunc  ad  Serviani  mei  libertos ¬
  posterosque  eorum  pertineat.  Allein  diese  Urkunde  verliert  dadurch
jede  Beweiskraft  für  die  vorliegende  Frage,  daß  die  Stellen  derselben,  worauf
alles  ankommt,  erst  restituirt  sind.  Welche  Gründe  aber  werden  für  die  entgegengesetzte ¬
  Annahme  geltend  gemacht?  Huschke  *)  stellt  dafür  die  Behaup— ¬

1)  Gaius  II  §  287.
*2)  Zeitschr.  f.  gesch.  Rechtswiss.  XII  S.  320,
13)  Donatio  Flavii  Syntrophi  S.  11  ff.
*)  Testamentum  Dasumii  Z.  123;  vergl.  Rudorff  a.  a.  O.  S.  398  f.  —
Das  mitgetheilte  Stück  ist  in  der  restituirten  Gestalt  gegeben,  in  der  es  sich  in  der
citirten  Abhandlung  von  Rudorff  findet;  auch  hier  sind  die  restituirten  Stellen
mit  Cursivschrift  gedruckt.
13)  A.  a.  O.  S.  11  f.
            
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