Full text: Reinhold, Ernst: Lehrbuch der philosophisch propädeutischen Psychologie nebst den Grundzügen der formalen Logik

I 
Max-Planck-Institu 
r 
lungsforschung 
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Formale Logik. 
Theils endlich wird im Obersatze bloß das nämliche Ab¬ 
hängigkeitsverhältniß des Bedingten zu einem Bedingen¬ 
den hypothetisch ausgesagt, welches ohne alle weitere 
Veränderung vermittelst des Untersatzes im Schlußsatze 
kategorisch behauptet wird. Hiernach sind drei Haupt¬ 
arten der syllogistischen Urtheilsbegründung anzunehmen, 
der Deductionsschluß, der Inductionsschluß, und der 
Schluß aus bloßer hypothetischer Consequenz. Wir zie= 
hen sie in umgekehrter Folge etwas näher in Betracht. 
1. Schluß aus bloßer hypothetischer Consequenz. 
127. Die formale Eigenthümlichkeit dieser Schlu߬ 
art besteht darin, daß zum Behuf der Beantwortung 
einer Urtheilsfrage, von der wir einsehen, daß sie nicht 
unmittelbar, sondern nur mittelbar begründet werden kann, 
ein hypothetischer Obersatz aufgestellt wird, welcher so¬ 
wohl in seinem bedingenden, als in seinem bedingten Gliede 
das Subject der Frage enthält. Hier wird weder ein 
Besonderes aus einem Allgemeinen, noch ein Allgemeines 
aus einem Besonderen abgeleitet, sondern die Subjects¬ 
vorstellung bleibt im Schlußsatz auf der nämlichen Stufe 
stehen, auf welcher sie sich in den Prämissen befindet. 
In dieser Form kann theils ein Individualurtheil, theils 
ein Begriffsurtheil begründet werden. Z. B. Indivi¬ 
dualurtheil: Wenn der Mond nicht stets voll ist, so 
besitzt er kein eignes Licht, nun ist der Mond nicht stets 
voll, folglich besitzt er kein eignes Licht. Begriffsur¬
	        
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