Full text: Reinhold, Ernst: Lehrbuch der philosophisch propädeutischen Psychologie nebst den Grundzügen der formalen Logik

Max-Planck- 
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Propådeutische Psychologie. 
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48. Unsere Sinneswahrnehmungen sind nicht an 
und für sich bewußtvolle Vorstellungen ihrer Gegenstände; 
dies werden sie erst in unserer intellectuellen Thätigkeit 
dadurch, daß der Gebrauch der Urtheile und der Begriffe 
mit ihnen sich verbindet. Im rein sinnlichen Leben füh¬ 
ren die Sinneswahrnehmungen das Individuum zu einer 
bewußtlosen, auf der dritten Lebensstufe leiten sie das In¬ 
dividuum zu einer bewußtvollen Kenntniß der Außendinge 
und der eignen Lebenszustände, soweit die letzteren theils 
unter der Form von Lust und Unlust hervortreten, theils 
durch die Willkür beherrscht werden. Damit aber über¬ 
haupt Kenntniß, also zunächst die bloß sinnliche Kenntniß 
der Dinge aus den an die Functionen- der Nerven ge¬ 
knüpften Empfindungen und Anschauungen hervorgehen 
könne, ist jener Ubergang von den Sinneswahrnehmungen 
zu bloßen Vorstellungen und jener Zusammenhang der 
Vorstellungen mit den Sinneswahrnehmungen durchaus 
erfoderlich, den man als die Thätigkeit des Erinnerungs¬ 
vermögens anzuerkennen und zu bezeichnen pflegt. Hier= 
bei ist einzusehen: das Wahrnehmungsvermögen würde 
schon in dem vollkommner organisirten Thiere, geschweige 
in dem Menschen seine Bedeutung nicht erreichen, seine 
Bestimmung nicht erfüllen können, wenn ihm nicht das 
Erinnerungsvermögen sich anschlösse; die wahrnehmende 
Seele auf den höheren Abstufungen des Thierlebens und 
auf der Stufe der Menschheit ist nothwendig auch eine 
sich erinnernde.
	        
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