Inhaltsverzeichnis : Handbuch der psychischen Anthropologie oder der Lehre von der Natur des menschlichen Geistes (Bd. 1)

Max-Planck-Institut  für  Bildungs
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entstehen,  über  diese  aber  sich  die  Kraft  des  Verstandes
im  obern  Gedankenlauf  geltend  machen,  indem  hier  das
verständige  Interesse  wirkt,  welches  der  Verstand  seinen
Zwecken  gemäß  für  oder  wider  eine  Vorstellung  geltend
macht.  So  gehört  die  willkührliche  Spannung  der  Aufmerksamkeit -
  und  das  willkührliche  Absehen  von  einer  Vorstellung -
  jener  höheren  Kraft  der  Selbstbeherrschung,  worin -
  wir  unseres  Lebens  Meister  werden.  Daher  werden
wir  diese  willkührliche  Aufmerksamkeit  als  die  Bildnerin
des  ganzen  obern  Gedankenlaufes  im  Erkenntnißvermögen -
  kennen  lernen.

So  erhebt  die  Selbsterkenntniß  aus  dem  dunkeln
Innern  unseres  Geisteslebens  das  klare  Gebiet  des
Bewußtseyns.  In  diesem  unterscheidet  sich  ferner  die
unmittelbare  Klarheit,  welche  der  innere  Sinn  gibt,  von
der  Klarheit  durch  den  Verstand,  welche  erst  mit  Hülfe
der  Aufmerksamkeit  erhalten  werden  kann.  Dem  innern
Sinn  gehört  hier  das  Gebiet  der  Anschauung,  denn
entlehnt  vom  klarsten  äußern  Sinn  des  Sehens,  nennen -
  wir  alles  unmittelbar  Klare  in  uns  anschaulich;
dem  Verstand  hingegen  gehört  das  Denken."  So  sind
z.  B.  die  sinnlichen  Anfänge  unserer  Erkenntniß  im  Sehen, -
  Tasten,  Hören  anschaulich  klar,  jede  allgemeine  und
nothwendige  Wahrheit  dagegegen,  jedes  Urtheil  muß  erst
durch  Denken  uns  klar  gemacht  werden.  Gleichfalls  für
Lust  und  Begierde,  der  sinnliche  Genuß  ist  uns  anschaulich -
  klar,  was  aber  das  Gute  und  was  das  Schöne  sey,
wird  sich  der  Mensch  erst  mit  Hülfe  der  willkührlichen
Aufmerksamkeit  im  Gebiet  des  Denkens  klar  machen.
            
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