Inhaltsverzeichnis : Handbuch der psychischen Anthropologie oder der Lehre von der Natur des menschlichen Geistes (Bd. 1)

Max-Planck-Institut  für  Bildungsforschung
Inst
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nen,  selbst  wenn  sie  sich  dem  Menschen  durch  den  Sinn
aufdringt,  ist  ein  weit  größeres  Vermögen  als  das  aufzumerken, -
  weil  es  eine  Freyhelt  des  Denkvermögens  und
die  Eigenmacht  des  Geistes  beweist,  den  Zustand  seiner
Vorstellungen  in  seiner  Gewalt  zu  haben  (animus  sui
compos.)  In  dieser  Rücksicht  ist  nun  das  Vermögen
abzusehen  viel  schwerer  aber  auch  wichtiger  als  das  der
Aufmerksamkeit.  Viele  Menschen  sind  unglücklich,  weil
sie  nicht  absehen  können.  Der  Freyer  könnte  eine  gute
Heirath  machen,  wenn  er  nur  über  eine  Warze  im  Gesicht -
  oder  über  eine  Zahnlücke  seiner  Geliebten  wegsehen
könnte.  Es  ist  aber  eine  besondere  Unart  unserer  Aufmerksamkeit -
  grade  das,  wus  fehlerhaft  an  andern  ist,
auch  unwillkührlich  zu  beachten:  seine  Augen  auf  einen
dem  Gesicht  gerade  gegen  über  am  Rock  fehlenden  Knopf,
oder  einen  angewöhnten  Sprachfehler  zu  richten  und  den
andern  dadurch  zu  verwirren,  sich  selbst  aber  auch  im
Umgang  das  Spiel  zu  verderben."  Daher  auf  einet  Seite
die  Macht  der  Kleinigkeiten  über  das  Gemüth  auf  der
andern  Seite  die  große  Wichtigkeit  dieser  Selbstbeherrschung. -
  Kleinigkeiten  wie  z.  B.  ein  an  sich  unbedeutender
aber  fixer  Schmerz  werden  bedeutend,  wenn  sie  unwillkührlich -
  die  Aufmerksamkeit  immer  von  neuem  anregen  und
so  die  Gegenwehr  der  Besonnenheit  immer  von  neuem  auffordern -
  und  endlich  ermüden.  Und  leicht  wird  klär,  wie
bedeutsam  diese  Macht  der  Selbstbeherrschung  im  Abseben -
  von  Vorstellung,  Lust  und  Begierde  wird  zur  Dämofung -
  von  Gemüthsbewegung  und  Leidenschaft,  zur  Erhaltung -
  der  Seelenruhe.  So  müssen  wir  der  Trauer
und  dem  Verdruß  widerstehen,  aber  oft  auch  der  Freude,
            
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