Full text: Psychologische Skizzen - Ueber das Mitgefühl (H. 1)

Max-Planc 
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fühle des andern, welches Freude ist, gerade entgegenge¬ 
setztes. Eben so wird das Unglück und Leid des andern, 
weil wir es ihm wünschen oder gönnen, als Erfüllung 
unserer Wünsche uns lieb und angenehm seyn, so daß 
wir das gleichfalls dem seinigen entgegengesetzte ange¬ 
nehme Gefühl der Schadenfreude darüber haben. 
In diesen Regungen des Widergefühls müssen, 
wie schon öfter bemerkt ist (vergl. §. 3. und 4.), alle¬ 
mal schon Empfindungen des Mitgefühls im weitern 
Sinne enthalten seyn, und zwar die gerade entgegenge¬ 
setzten. Den Schaden des andern muß ich als Schaden, 
also unangenehm empfunden haben (also gewissermaßen 
Mitleid, nur aber im weitesten und uneigentlichen Sinne, 
denn Mitleid im eigentlichen Sinne ist der gerade Gegen¬ 
satz von Schadenfreude), um mich darüber freuen zu kön¬ 
nen, und umgekehrt das Glück des andern als Glück und 
angenehm (also gewissermaßen Mitfreude, aber gleichfalls 
im uneigentlichen Sinne, weil eigentliche Mitfreude der 
Gegensatz von Neid ist), um es beneiden zu können. Die 
Empfindungen des Widergefühls sind daher allemal ge¬ 
mischte, aus entgegengesetzten Elementen zusammenge¬ 
setzte, nur aber sind gewöhnlich die mit den Empfindun¬ 
gen des andern homogenen Elemente die geringeren, hin¬ 
gegen die aus der Befriedigung oder Vereitlung unsers 
Uebelwollens entspringenden die vorwiegenden, also im 
Neide die Unlust, in der Schadenfreude die Lust. 
Gutes, nach welchem auch wir selbst streben). — Der Wort¬ 
bildung nach bezeichnet „Mißgunst", als von „gönnen" 
entsprungen, mehr ein Streben als ein Fühlen, der Sprach¬ 
gebrauch hat sich aber mehr für die Bezeichnung des letztern 
entschieden. 
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