Full text: Psychologische Skizzen - Ueber das Mitgefühl (H. 1)

Max-Planc 
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großen als wegen eines kleinen Glücksfalles. Daher kommt 
es z. B., daß die Schicksale der Fürsten, überhaupt der 
mächtigen und großen, sowohl im guten als im bösen 
Sinne weit höhere Theilnahme finden, als die kleinen 
Begebnisse des Alltagslebens: eine verlorene Schlacht, 
ein verlorenes Königreich, erregen ein höheres Mitleid, 
als der Verlust einer kleinen Summe im Kartenspiel; 
aber umgekehrt ist unter andern Umständen auch gegen 
niemanden der Neid heftiger, als gegen die Könige, und 
keine lebhaftere Schadenfreude, als über ihr Unglück. 
Hieraus läßt sich der vielfach angeregte Streit ent¬ 
scheiden, ob unsere Mitempfindung jemals den Grad der 
Stärke erreichen könne, den das ursprüngliche Gefühl in 
dem andern habe? *) Es hängt dieß allein von der 
Empfindung der Ursachen ab; sind diese von der Art, 
daß sie auf uns einen stärkeren Eindruck machen, als auf 
den andern, der sie selbst empfindet, so kann unsere Mit¬ 
empfindung allerdings eben so stark und stärker seyn, als 
das Gefühl des andern. Wir haben schon so eben Bei¬ 
spiele kennen gelernt, wo wir Mitgefühl haben, während 
der andere gar nichts empfindet, wo also ohne Frage 
unser Gefühl das stärkere ist; aber eben so kann es auch 
seyn, daß der andere wenig über eine Sache empfindet, 
die uns heftig bewegt, z. B. wenig Gewissensbisse über 
eine Handlung, welche uns, die wir etwa ein feineres 
moralisches Gefühl haben, in höherem Grade als schlecht 
erscheint, uns also ein höheres Mitleid gegen jenen 
einflößt. 
*) Vergl. z. B. Weber vom Selbstgefühl und Mitgefühl, 
S. 113, fl.
	        
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