Full text: Psychologische Skizzen - Ueber das Mitgefühl (H. 1)

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gefühl (vergl. §. 37.), die: »was werden andere dazu 
sagen?« — und das Verlangen, schicklich zu handeln, be¬ 
ruhet auf dem, die Billigung unserer Handlungen in ge¬ 
wisser Beziehung von Seiten anderer zu erhalten. 
Aber es ist wohl zu bemerken, daß es eine andere 
Art von Billigung ist, welche hier verlangt wird, als 
die, welche das Ehrgefühl verlangt, eine Billigung nach 
einem ganz anderen Maßstabe. Und zwar sind es haupt¬ 
sächlich zwei Punkte, wodurch sie sich von jener andern 
unterscheidet. 
Erstlich ist die Beurtheilung des schicklichen und un¬ 
schicklichen gar keine moralische, indem allenthalben da, 
wo von einem höhern Grade moralischer Billigung oder 
Mißbilligung die Rede ist, die Beurtheilung aus dem 
Standpunkte des schicklichen ganz zurücktritt. Wenn z. B. 
einer seinen Vater umbringt, oder seinen Nächsten belügt 
und betrügt, so wird das niemand schicklich oder un¬ 
schicklich nennen, weil man da nach etwas höherem fragt. 
Auch ist die Schicklichkeit keine Eigenschaft unserer Ge¬ 
sinnungen, wie das gute und böse, sondern einzig und 
allein unsers äußern Betragens, und die Gesetze der 
Schicklichkeit keine ethische, sondern nur technische für 
dieses. Der Ehrgeiz aber verlangt Billigung unserer 
Handlungen nach dem moralischen Maßstabe, unterschei¬ 
det sich also dadurch hinreichend von dem Verlangen, un¬ 
sere Handlungen aus dem Gesichtspunkt der Schicklichkeit 
gebilligt zu sehen. 
Ferner sind Schicklichkeit und Unschicklichkeit keine 
Eigenschaften, die den Handlungen an und für sich und 
allein mit Rücksicht auf das handelnde Subjekt zukom¬ 
men, sondern allein in Beziehung auf andere Menschen, 
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