Full text: Psychologische Skizzen - Ueber das Mitgefühl (H. 1)

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wir rechnen können, zugleich unsere VVertraute:e ihnen 
eröffnen wir auch die geheimsten Regungen unsers Her¬ 
zens, die Heiligthümer, die wir sonst aus den erwähnten 
Gründen vor jedem verborgen halten. 
29. 
Es sind hier über die Freude am Mitgefühl noch 
einige Gesetze zu beobachten, denen analog, welche wir 
früher vom Mitgefühl selbst haben kennen lernen. Haupt¬ 
sächlich dieß: daß die Mitfreude von Seiten an¬ 
derer uns lieber ist als ihr Mitleid. 
Dieß Gesetz ist ganz analog dem früher (§. 11.) 
beobachteten, obgleich scheinbar entgegengesetzten, näm¬ 
lich daß wir selbst gegen andere lieber Mitleid als Mit¬ 
freude empfinden. Auch ist der Erklärungsgrund ganz 
derselbe, nämlich daß wir uns gegen andere lieber im 
Vortheil als im Nachtheil finden mögen. So wie wir 
uns aber gewöhnlich im Nachtheil befinden, wenn wir 
gegen andere Mitfreude empfinden sollen, so auch wenn 
wir in dem Zustande sind, daß andere uns Mitleid zu 
bezeigen haben. Umgekehrt aber sind wir im Vortheil, 
wenn wir gegen andere Mitleid zu empfinden, von ihnen 
aber Mitfreude, Anerkennung unsers Glückes und unse¬ 
rer Vorzüge, Beifall und Achtung u. s. w. zu empfan¬ 
gen haben. 
Damit hängt denn auch ein zweiter Erklärungsgrund 
zusammen, nämlich das andere Gesetz (vergl. §. 20.), 
daß wir andere gerne unser Glück, aber ungerne unser 
Unglück wissen lassen, weil das Mitwissen anderer nicht 
bloß das eine Mal unser Glück, sondern auch im andern 
Max-Planc 
stitut 
Max PI
	        
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