Volltext : Köhler, Helmut: ¬Der relative Schul- und Hochschulbesuch in der Bundesrepublik Deutschland 1952 bis 1975

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Der  Geburtsjahrgang  1960,  der  wieder  etwa  ebenso  stark  besetzt
ist  wie  der  Geburtsjahrgang  1940,  befand  sich  Anfang  der
siebziger  Jahre  beim  Übergang  zur  Sekundarstufe  I,  also  in
einer  Zeit  intensiver  bildungspolitischer  Diskussion,  in  der
sich  die  Bildungswerbung  bereits  auswirken  konnte  und  in  der
andererseits  die  Kapazitäten  an  weiterführenden  Schulen  -  auch
im  beruflichen  Bereich  -  bereits  stark  ausgeweitet  worden  sind.
Zudem  begünstigte  die  Arbeitsmarktlage  Ende  der  sechziger  Jahre
die  Erwartung,  durch  höheres  Ausbildungsniveau  einen  besseren
Arbeitsplatz  zu  erhalten.  Soweit  die  Personen  dieses  Jahrgangs
die  Hochschulreife  erwerben,  stellt  sich  für  sie  die  Frage
der  Entscheidung  für  oder  gegen  ein  Studium  und  der  Berufswahl
unter  völlig  anderen  Bedingungen,  da  die  Arbeitslosigkeit  beträchtlich -
  ist,  die  Kapazität  der  Hochschulen  in  bestimmten
Fächern  stark  beschränkt  ist  und  die  Berufsaussichten  in  einer
Reihe  von  Berufen  mit  Hochschulausbildung  nicht  sehr  günstig
erscheinen.
Zusammenfassend  könnnen  wir  feststellen,  daß  das  Konzept  des
relativen  Schulbesuchs  uns  eine  Umdeutung  von  Längsschnittbetrachtungen -
  für  eine  Geburtsjahrkohorte  in  "Verlaufsdaten'
erlaubt.  Das  Bildungsschicksal  eines  Gebrutsjahrgangs  läßt
sich  aber  damit  vollständig  erst  nach  vollem  Durchlauf  durch
das  Bildungssystem  beziehungsweise  den  für  die  Betrachtung
jeweils -
  relevanten  Teil  des  Systems  analysieren,  so  daß  Ergebnisse
nur  mit  starker  zeitlicher  Verzögerung  verfügbar  sind.  So
läßt  sich  der  relative  Schul-  und  Hochschulbesuch  des  Geburtsjahrgangs -
  1946  zum  Beispiel  mit  Hilfe  der  Schülerzahlen  für
1952  bis  1975  vom  vollendeten  6.  Lebensjahr  bis  zum  29.  Lebensjahr -
  verfolgen  und  deuten.  Jede  Generation  findet  jedoch  zu
den  für  das  Bildungsschicksal  bedeutsamen  Zeitpunkten,  das
heißt  bei  den  Entscheidungen  über  Schulwahl,  Übergang  ins  Erwerbsleben, -
  Studienentscheidung  usw.,  jeweils  unterschiedliche
Bedingungen  vor,  die  zusätzlich  oder  in  Ergänzung  zur  Jahrgangsstärke -
  von  Einfluß  auf  den  resultierenden  Schul-  und  Hochschulbesuch -
  sind  und  bei  der  Interpretation  der  Ergebnisse  beachtet
werden  müssen.
            
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